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Kratos Safety: »Der Bedarf an Persönlicher Schutzausrüstung ist in Europa unglaublich groß«

Auf deutschen Baustellen herrscht noch immer großer Handlungsbedarf, wenn es um die Verwendung Persönlicher Schutzausrüstung (PSA) geht. Noch immer werden zu viele Unfälle mit teils tödlichem Ausgang registriert – nach Ansicht von Kratos Safety ein wichtiger Grund, um neben hochwertiger Schutzausrüstung auch für effektive Aufklärungs- und Schulungsarbeit zu sorgen. Der französische Hersteller wurde im Jahr 2012 in Zusammenarbeit mit dem indischen Unternehmen Karam gegründet, das zu den weltweit führenden Spezialisten im Bereich PSA gegen Absturz (PSAgA) zählt. Ziel ist es seither, den europäischen Markt mit Sicherheitslösungen zu bedienen, die den geforderten Standards entsprechen, gleichzeitig aber auch mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis punkten. Und das gelingt: Kratos Safety konnte in den vergangenen Jahren eine Vielzahl an innovativen Entwicklungen voranbringen, die sich auch am schwer umkämpften deutschen Markt durchsetzen. Die Redaktion der bauSICHERHEIT war am Standort in Heyrieux nahe Lyon, um mit Jean-Paul Coudert, Präsident bei Kratos Safety, über den Werdegang des Unternehmens zu sprechen, und erfuhr, welche Lösungen man sich pünktlich zur A+A hat einfallen lassen, um die Anwender in Zukunft noch besser zu schützen.

Von Dan Windhorst

Das französische Unternehmen Kratos Safety ist Konstrukteur, Entwickler und Hersteller zahlreicher Auffanglösungen. Gleichwohl hat man sich auf den sogenannten After-Sales- sowie Wartungsservice spezialisiert und damit ein Gesamtpaket geschaffen, das sich klar hinter die eigenen Entwicklungen, gleichzeitig aber auch hinter die Bedürfnisse der Anwender stellt.

Geht es nach Jean-Paul Coudert, CEO bei Kratos Safety, ist es nur mit dem »Verkauf von Auffanggeräten längst nicht getan«. Sein Antrieb ist es, auf der einen Seite zuverlässige Produkte herzustellen, auf der anderen Seite aber auch als Berater und Ansprechpartner zu fungieren. »Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Sicherheit auf Baustellen mehr abverlangt. Den Leuten irgendein Werkzeug in die Hand zu drücken reicht da nicht aus. Wir möchten mit unseren Schulungen und Produkttests direkt vor Ort aufzeigen, was unsere Produkte können und wie man sie richtig einsetzt.« Genau dafür hat das Unternehmen am Standort in Heyrieux großzügige Schulungsräume sowie einen Trainingsbereich und Wartungswerkstätten etabliert.

Unter anderem werden dort Informationsveranstaltungen, Weiterbildungsmaßnahmen sowie Produktvorführungen abgehalten. Vor allem aber dienen diese Zusatzleistungen dazu, das technische Fachwissen weiterzugeben. »Der Wartungsservice ist ein gutes Beispiel dafür, dass es mit dem Kauf von Produkten längst nicht getan ist«, so Jean-Paul Coudert. »Jede PSA(gA) muss einwandfrei funktionieren, denn die Leute verlassen sich darauf, dass das im Fall der Fälle ihr Leben rettet.«

Um das aber über viele Jahre hinweg gewährleisten zu können, hat Kratos Safety beispielsweise Schulungen im Bereich der Wartung auf den Weg gebracht: Anwender können so einzelne Bestandteile ihrer Ausrüstung erneuern, um gleichbleibende Qualität zu erhalten. Laut Coudert werden momentan rund 250 Trainingseinheiten pro Jahr durchgeführt. Dazu gesellen sich Sichtprüfungen von PSA sowie Schulungen zur mechanischen Überholung von Auffanggeräten. In diesem Zusammenhang wurde seitens des französischen Herstellers aber auch »K-S-ONE«, eine PSA-Management- und Follow-up-Applikation, entwickelt, die diesen Servicegedanken auch ins digitale Zeitalter trägt.

Die Nachverfolgung von PSA erleichtern

Bei »K-S.-ONE« handelt es sich um eine kostenlose Web-App, die auf Smartphones, Tablets sowie Computern genutzt werden kann, um eine zuverlässige Nachverfolgung von PSA-Ausrüstung zu ermöglichen. Dadurch hat der Anwender Zugriff auf die Identifikations-Informationen des jeweiligen Produkts und weiß jederzeit, um welche Seriennummer es sich handelt oder wann die PSA hergestellt wurde.

Gleichzeitig lassen sich Gebrauchsanweisungen im PDF-Format herunterladen und einsehen. Über die App wird außerdem jedes Produkt registriert und damit einer bestimmten Person zugewiesen. Ein wichtiger Bestandteil von »K-S.-ONE« ist, dass eine visuelle Inspektion der jeweiligen PSA mithilfe einer intuitiven Anleitung durchgeführt werden kann. So lässt sich vor jeder Verwendung schnell und einfach abklären, ob das Produkt noch immer allen Sicherheits- und Qualitätsanforderungen gerecht wird. Ist das nicht der Fall, empfiehlt das System einen Austausch. Zudem erinnert die App an kommende Inspektionstermine und versendet im Bedarfsfall alle notwendigen Informationsdaten per E-Mail.

Sachkundige Personen, die von Kratos Safety als Prüfer autorisiert wurden, können darüber hinaus die App nutzen, um eine globale Sicht auf die bewerteten PSA-Bestände sowie die notwendigen Unterlagen für die Kontrolle und Wartung der Produkte zu haben. In diesem Zusammenhang wird auch ein automatisches Lebensdatenblatt, sprich, eine Produkthistorie, angelegt, wodurch jeder Inspekteur jederzeit Zugriff auf alle wichtigen Informationen zum Produkt hat.

»Wir bieten hochwertige PSA, die im Fall der Fälle Leben rettet. Mit ›K-S.-ONE‹ sind wir noch einen Schritt weitergegangen und geben dem Anwender ein nützliches Tool in die Hand, das ihn bei der täglichen Handhabung mit unseren Produkten tatkräftig unterstützt«, so Christopher Koch, Verkauf DACH bei Kratos Safety. »Gerade weil die Bedienung so intuitiv ist und die wichtigsten Informationen übersichtlich dargestellt werden, nimmt die App dem Nutzer unterschiedlichste Aufgaben ab, ohne viel Zeit in Anspruch zu nehmen. Mittels QR-Code-Leser wird das Typenschild auf dem jeweiligen Kratos-Produkt gescannt und schon kann es losgehen.«

Sicherheit trifft auf Komfort und Lebensdauer

Neben der Entwicklung neuer digitaler Helfer investiert Kratos Safety aber auch viel in das Kerngeschäft: Aktuell stützt sich das Angebot auf über 450 Produkte, die in die Hauptkategorien Haltegurte, Aufroller, mitlaufende Auffanggeräte, falldämpfende Verbindungsmittel, Seile sowie Verankerungspunkte und Ausrüstung für Seil- und Rettungsarbeiten unterteilt sind. Bei der Entwicklung der Produkte, die von integrierten Industrieanlagen, einem zertifizierten Labor sowie von qualifizierten Designern und Technikern profitieren, hat man laut Jean-Paul Coudert sowie Valérie de Macedo, Geschäftsführerin bei Kratos Safety, darauf geachtet, »dass die Anforderungen der Europäischen Normen erfüllt und die Produkte den Erwartungen in Sachen Tragekomfort und Ergonomie gerecht werden«. Zwar gilt: Ganz gleich unter welchen Bedingungen die Arbeiten in der Höhe durchgeführt werden – Sicherheit hat dabei immer Vorrang. Trotzdem, so Coudert, könne man den Aspekt des Tragekomforts nicht einfach hinten anstellen: »Jemand, der sich
mit PSA ausstattet, muss sich nicht nur sicher, sondern auch wohlfühlen. Daher ist es bei der Entwicklung neuer Produkte immer auch ein großes Anliegen, das zu berücksichtigen.«

Ein wichtiger Aspekt im Bereich der Absturzsicherung ist die Lebensdauer der Produkte: Während ein Bohrschlaghammer, salopp gesagt, einfach irgendwann den Geist aufgibt, kann bei PSA(gA) nicht auf vage Vermutungen vertraut werden. Entscheidend ist hier eine verlässliche Angabe zur jeweiligen Lebensdauer.

»Die Rahmenbedingungen dafür gibt in erster Linie die europäische Norm vor. Die EN 365:2004 : § 4.2.2.y besagt: »Der Hersteller muss für jede PSA schriftliche Anleitungen für den Gebrauch, die Wartung und die regelmäßigen Überprüfungen liefern. Gebrauchsanleitungen müssen enthalten : Angaben über bekannte Einschränkungen der Gebrauchsdauer der Ausrüstung oder jedes Teils des Produktes und/oder Angaben, wie die nicht mehr sichere Benutzung festgestellt werden kann.« Die Lebensdauer von Kratos Safety-Produkten beträgt zehn Jahre, wenn und nur wenn die vorgeschriebenen regelmäßigen Prüfungen durch eine sachkundige Person mindestens alle 12 Monate ab dem Datum der ersten Inbetriebnahme des Produkts durchgeführt werden.

Laut Kratos Safety gilt es an dieser Stelle aber immer auch die Intensität sowie Häufigkeit der Nutzung zu berücksichtigen. Abhängig davon kann sich die erwartete Lebensdauer verringern. Gerade deshalb sieht Kratos Safety die Notwendigkeit, dass jeder Anwender auf regelmäßige Überprüfungen setzt – im besten Fall zusätzlich zur Prüfung einer sachkundigen Person. Im Falle von Verschleiß, Beschädigung oder eines Sturzes in das System rät der Hersteller außerdem dazu, das Produkt von einer sachkundigen Person überprüfen zu lassen. In den hauseigenen Schulungen sowie bei Veranstaltungen nutzt Kratos die Gelegenheit, den Kunden dieses Thema immer wieder näherzubringen, um jeden Anwender bestmöglich vor möglichen Risiken zu schützen.

Nach Ansicht von Jean-Paul Coudert sei das nicht nur eine Verpflichtung für jeden PSA-Hersteller, sondern letztlich auch der persönliche Anspruch seines Unternehmens. Und genau diese Einstellung möchte man auch auf der diesjährigen A+A in Düsseldorf vertreten, eine Messe, die Kratos Safety als wichtigen Treffpunkt der Branche betrachtet.

Mit neuen Produktentwicklungen auf der A+A

Im Gepäck hat der PSA-Spezialist aber nicht nur wichtige Informationen und Anwendertipps. Kratos Safety möchte Düsseldorf als Plattform nutzen, um auf neueste Produktentwicklungen aufmerksam zu machen.

Eine davon ist »Helixon«, eine neue Serie von Höhensicherungsgeräten, die über ein innovatives Gehäuse sowie ein Fenster an der Vorderseite verfügen, über das der innen liegende Mechanismus für Sichtkontrollen besser zugänglich ist. So kann auf das vollständige Öffnen des Gehäuses verzichtet werden, was viel Aufwand, aber eben auch Zeit spart. Das »Helixon«, verfügt außerdem über einen integrierten Tragegriff und soll damit noch leichter zu handhaben sein. Die neue Lösung wird in verschiedenen Ausführungen erhältlich sein. In der Kategorie der vertikalen Einsätze bis 20 m und einem maximalen Benutzergewicht von 140 kg wird es eine Stahldraht- eine Edelstahldrahtseil- sowie eine Gurtbandversion geben. Im Bereich der vertikalen sowie horizontalen Einsätze reichen die Ausführungen bis 10 m und einem maximalen Benutzergewicht von 100 kg. Die Höhensicherungsgeräte entsprechen der EN 360: 2002 – die Drahtseil-Höhensicherungsgeräte für den vertikalen Einsatz entsprechen zusätzlich der ATEX-Richtlinie 2014/34/EU.


Ein weiteres neues Produkt ist das »Triton«, ein Höhensicherungsgerät mit versiegeltem und korrosionsbeständigem Gehäuse sowie Edelstahldrahtseil mit einer Länge von 10 m und Edelstahlkarabiner, das speziell für raue Umgebungen wie die Öl- und Gasindustrie entwickelt wurde. »Das robuste Design«, so Christopher Koch, »hält die kritischen Arbeitskomponenten frei von Schmutz, Fett, Wasser und Chemikalien.« Zudem erfüllt »Triton« die Schutzklasse IP68 nach IEC 60529.

Mit »Res-Q« und »Lift Res-Q« möchte Kratos Safety überdies Evakuierungsgeräte vorstellen, die vor allem für schnelle Rettungseinsätze gedacht sind. Neben der Vorstellung von Neuheiten hat CEO Jean-Paul Coudert mit Blick auf die A+A aber auch noch ein ganz anderes Anliegen: »Wir kennen das Potenzial des deutschen Marktes: Zwar wird Arbeitssicherheit bei immer mehr Unternehmen großgeschrieben, aber es gibt nach wie vor zu viele Anwender, die nicht oder nicht richtig ausgestattet sind. Häufig unterschätzen gerade die erfahrenen Arbeiter das Risiko tödlicher Unfälle, gerade dann, wenn sie seit zehn oder 15 Jahren im Geschäft sind. Der Bedarf an guter PSA ist in Deutschland und Europa unglaublich groß. Und deshalb sind Messen wie die A+A auch so wichtig: Dort treffen wir direkt auf die Anwender, Händler, andere Hersteller und ein breites Fachpublikum, mit denen wir in einen offenen Dialog treten können, um das Thema Arbeitssicherheit weiter
voranzubringen.«

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