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Die BG Bau zieht Bilanz: Der Kampf gegen Staub auf der Baustelle

Schmutz und Staub gehören zur Baustelle einfach dazu. Zumindest sehen das nach wie vor viele Bauarbeiter, Maschinenführer und Unternehmer so – ganz nach der Devise: »Wo gehobelt wird, da fallen auch Späne«. Aber genau solche Klischees sind der Grund dafür, warum dem Thema nach wie vor zu wenig Aufmerksamkeit geschenkt wird. Tatsache ist, dass die Gesundheit aller Beteiligten durch das Einatmen von Staub belastet wird und in zahlreichen Fällen zu schweren Atemwegs- und Lungenerkrankungen führen kann. Um dieser Problematik entgegenzuwirken, hat die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) 2016 in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und weiteren Bündnispartnern das Aktionsprogramm »Staubminimierung beim Bauen« ins Leben gerufen. Das erklärte Ziel lautete, mehr Menschen für das Thema zu sensibilisieren und die Akzeptanz staubarmer Techniken zu verbessern. Nach nunmehr drei Jahren hat man eine erste Zwischenbilanz gezogen. Die bauSICHERHEIT war vor Ort, um zu erfahren, welche Fortschritte in dieser Zeit gemacht wurden, und erfuhr, dass der Weg trotz sichtbarer Erfolge noch weit ist.

Von Dan Windhorst

Gänzlich staubfrei wird eine Baustelle wahrscheinlich nie sein – sie aber staubärmer zu machen ist das erklärte Ziel des Projekts »Staubminimierung beim Bauen«, welches die BG Bau und das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) 2016 ins Leben gerufen haben. Unterstützt wird das Programm unter anderem von dem Deutschen Baugewerbe, der Deutschen Bauindustrie, IG Bau sowie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).

Im Rahmen der Veranstaltung »Staub war gestern« hatten die beteiligten Projektpartner Ende Juni nach Dortmund in die DASA Arbeitswelt Ausstellung geladen, um dort über die Fortschritte des Projekts zu sprechen, gleichzeitig aber auch den Entwicklungsstand staubarmer Techniken zu präsentieren.

Beispiele aus der Praxis bieten viele Möglichkeiten

In der Stahlhalle der DASA hatten Bauunternehmer, Handwerker und Berufsschüler die Möglichkeit, unterschiedlichste Maschinen und Anwendungen kennenzulernen, die für eine staubärmere Baustelle entwickelt wurden. Hierfür wurde eine kleine Hausmesse aufgebaut, auf der die Hersteller staubarme Technologien vorstellen konnten. So durften die Besucher beispielsweise modifizierte Schleifverfahren kennenlernen oder sich mit neuen Entstaubern, Luftreinigern und Absaugvorrichtungen vertraut machen.

Frühzeitig informieren und sensibilisieren

Neben zahlreichen Unternehmern und erfahrenen Handwerkern waren im Publikum auch auffallend viele Schüler und Auszubildende zu finden. »Wir haben es in der Vergangenheit vernachlässigt, den Nachwuchs zu begeistern und dafür Sorge zu tragen, dass die Themen bei den jungen Leuten ankommen«, erklärte Norbert Kluger, Leiter der Abteilung Stoffliche Gefährdungen bei der BG Bau.

»Wir müssen vor allem junge Berufseinsteiger von Beginn an für dieses Thema sensibilisieren und sie bereits während der Ausbildung mit staubarmer Technologie vertraut machen, um für die Zukunft mehr Verständnis, aber eben auch verbesserte Arbeitsstandards zu schaffen.« Gleichwohl merkt Dr. Rüdiger Pipke, Fachbereichsleiter für Gefahrstoffe und biologische Arbeitsstoffe bei der BAuA, an, dass den Betroffenen bereits jetzt das Risiko von Staub am Bau bewusst sein muss: »Die Zahl der Erkrankungen geht nicht zurück: Allein 2017 haben wir 2 785 Fälle von Berufskrankheiten registriert.« Neben typischen Atemwegserkrankungen wie Asthma könne die Belastung durch Baustaub auch Krebs zur Folge haben. Ein großes Problem in diesem Zusammenhang ist laut Pipke, dass die meisten Erkrankungen erst nach vielen Jahren sichtbar werden und damit aus Sicht der Betroffenen keine unmittelbare Gefahr darstellen. So könne es passieren, dass ein Handwerker über zehn, fünfzehn oder gar zwanzig Jahre hinweg auf dem Bau arbeite und erst dann Symptome erkennbar seien.


Umso wichtiger, so Pipke, sei deshalb die Aufklärungsarbeit. »Wir wollen einen Kulturwandel auf der Baustelle schaffen. Und dabei ist es vollkommen egal, um was für einen Staub es sich dabei handelt. Ganz gleich, ob es sich auf der Baustelle um toxischen, reaktiven oder einfachen Staub handelt – das Ziel bleibt immer gleich: ›Kein Staub am Bau‹.«

Neue Anreize für staubarme Technologie schaffen

Denn neben der Verdrängung möglicher gesundheitlicher Spätschäden hat die Branche weiterhin mit den typischen Klischees zu kämpfen, wie: Auf dem Bau ist die Arbeit hart, Quengelei ist nur was für zartbesaitete Gemüter. Und so gehört es schlicht und ergreifend nicht selten zum guten Bauarbeiterton, von oben bis unten eingestaubt zu sein. Ein sauberes Arbeitsumfeld ist deshalb auf der Prioritätenliste eher weiter unten zu finden.

Großen Handlungsbedarf sieht Kluger in diesem Zusammenhang vor allem bei vielen Kleinbetrieben, da sie nur schwer mit derartigen Themen zu erreichen seien. Hinzu komme, dass viele Kleinunternehmer die Investition in staubärmere Werkzeuge und Maschinen scheuten. Gerade deshalb, so Kluger, habe die BG Bau gezielt neue Anreize geschaffen. Neben zahlreichen Arbeitsschutzprämien fördert die Genossenschaft beispielsweise auch den Kauf von Bau-Entstaubern, Staubschutzwänden, Handmaschinen mit Absaugung, Luftreinigern, gebläseunterstützten Filtergeräten mit Helm oder Absaugbohrern.

Wichtige Informationen kompakt zusammengefasst

Komplettiert wird das Angebot der BG Bau mit einem neu entwickelten E-Learning-Modul, das die wesentlichen Grundlagen zur Staubminimierung leicht zugänglich für alle Betroffenen macht.

»Das E-Learning will den mehr als 500 000 Mitgliedsunternehmen mit seinen rund 2,8 Millionen Beschäftigten eine einfache und moderne Möglichkeit bieten, Basiswissen in diesem Themenfeld zu erwerben«, so Norbert Kluger. Das Online-Tool umfasst Kapitel zu den verschiedenen Staubarten, erklärt deren Eigenschaften und Gefahren und gibt Tipps zu den jeweils passenden Schutzmaßnahmen. Begleitet wird das Ganze von Kurzvideos, Interviews und Bildmaterial. So können sich Unternehmer, aber auch Handwerker einen genauen Überblick verschaffen und sich mit dem Thema im Detail auseinandersetzen.

Das erklärte Ziel ist noch nicht erreicht

Obwohl das Projekt wichtige Fortschritte erzielt habe, herrscht aus Sicht der Beteiligten nach wie vor Handlungsbedarf. Seien es alteingesessene Handwerker, die sich nur schwer eines Besseren belehren lassen, oder die junge Generation, die bereits frühzeitig auf modernen Kommunikationswegen erreicht werden muss – sie alle sollen bestmöglich vor den Gefahren durch Staub auf der Baustelle geschützt werden.

Fakt ist, dass die BG Bau in Zusammenarbeit mit den verschiedenen Bündnispartnern bereits wichtige Akzente gesetzt hat. Die Informationsveranstaltungen, Kampagnen und Initiativen zeigen laut Norbert Kluger durchaus Wirkung. Außerdem gelte seit Beginn des Jahres ein abgesenkter Grenzwert für sogenannten A-Staub in allen Unternehmen, wodurch dem Thema erneut mehr Aufmerksamkeit geschenkt worden sei.

»Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten«

Weitere Vorgaben und Regelungen, so Dr. Astrid Smola, vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), seien aktuell, aber nicht notwendig. »Die rechtlichen Richtlinien sind längst geschaffen, da existiert aktuell kein Handlungsbedarf.« Viel wichtiger sei es, diese in der Praxis auch umzusetzen. »Und da kann im Grunde jeder Einzelne seinen Beitrag leisten.« So könne zum Beispiel jeder private Auftraggeber, der für Arbeiten an seinem Einfamilienhaus eine Handwerksfirma beauftragt, auf staubarmes Arbeiten bestehen und damit einen wichtigen Beitrag leisten, um den Wandel zu vollziehen, so Smola. Auch die Hersteller von Werkzeugen könne man in diesem Zusammenhang in die Pflicht nehmen – beispielsweise, indem der Schlagbohrer, die Säge oder das Schleifgerät nur noch dann funktioniere, wenn der jeweilige Staubschutz aktiviert sei. Darüber hinaus, so Kluger, seien die Fördermaßnahmen der BG Bau nach wie vor ein wichtiger Bestandteil des Projekts: Die finanzielle Unterstützung bei der Beschaffung staubarmer Techniken, aber auch der Katalog staubminimierender Technologien werde ständig erweitert und böte den Betroffenen viele verschiedene Möglichkeiten, um auf die Gefahren von Staub sinnvoll zu reagieren. »Die BG Bau und ihre Bündnispartner werden auch in Zukunft weiter daran arbeiten, die Thematik Staub für die Baubranche zu beleuchten«, so Kluger. »Unser Ziel bleibt es weiterhin, die Sensibilität dafür bei den  davon Betroffenen zu erhöhen.«.

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