Continental Automotive GmbH »ProViu 360« um neue Features erweitert

Pressemitteilung | Lesedauer: min | Bildquelle: Continental

Jedes Jahr passieren auf Deutschlands Baustellen mehr als 100 000 Arbeitsunfälle – darunter solche, die aufgrund enger Arbeitsverhältnisse und unübersichtlicher Baumaschinen geschehen. Daher präsentierte Continental im Oktober 2022 im Rahmen der bauma die neu entwickelten Features für das innovative Surround-View-System »ProViu 360«, die dazu beitragen sollen, die Sicherheit in der Bau- und Bergbaubranche zu erhöhen. Dazu zählen unter anderem eine Personenerkennung im Nahbereich des Fahrzeugs sowie ein Kamera-Assistent,  der verschmutzte oder blockierte Kameralinsen meldet.

Alle neuen Features basieren auf Algorithmen aus der Pkw-Entwicklung, wurden jedoch speziell für die Anwendung auf Baustellen optimiert. So könne die Bau- und Bergbaubranche auf zweierlei Weise profitieren: Hersteller und Kunden haben Zugang zu den neuesten Automotive-Technologien, während das Hardware-Setup gleichzeitig nicht verändert wird. » In der Bau- und der Bergbaubranche spielt die Digitalisierung eine große Rolle, denn sie ermöglicht mehr Sicherheit, Effizienz und Komfort für alle Beteiligten«, so Dr. Ismail Dagli, Leiter des Geschäftsfelds Smart Mobility bei Continental. »Mit unseren neuen Funktionen für ProViu 360 machen wir einen weiteren Schritt in Richtung Baustelle der Zukunft.«

Die Umgebung im Blick behalten

Das Surround-View-System »ProViu 360« sorgt durch eine Rundum-Ansicht des Fahrzeugs aus der Vogelperspektive für mehr Sicherheit auf der Baustelle. »Aus unserer Sicht ist es unverzichtbar, dem Baumaschinenführer eine bessere Gesamtübersicht über seine Umgebung zu verschaffen und die vielen toten Winkel zu eliminieren«, erläutert Chris Meißner, Leiter Product Management für Special Vehicles im Segment Automotive Aftermarket bei Continental. Das System verfügt über vier Kameras, die mit High Dynamic Rance (HDR) und einer Auflösung von 1,3 Megapixeln Bilder mit einem Öffnungswinkel von bis zu 194 Grad aufnehmen. Diese werden anschließend mithilfe eines Algorithmus in der Steuerungseinheit zusammengefügt und ermöglichen so einen Überblick über das gesamte Fahrzeug.

Warnt bei Kollegen im Gefahrenbereich

Zusätzlich zu dieser 360-Grad-Rundumsicht wurden nun speziell für den Einsatz auf Baustellen und im Bergbau neue Features entwickelt. Auf der Basis von Pkw-Entwicklerteams für den City-Notbremsassistenten haben Experten für Spezialfahrzeuge die »Worker Detection« ermittelt: Ein spezieller auf die unübersichtlichen Bedingungen der Baustelle abgestimmter Algorithmus könne Menschen im nahen Umfeld der Baumaschine erkennen und so Kollisionen verhindern. Dabei habe man dem Algorithmus die spezifischen Unterschiede zwischen einem Straßenszenario und der Situation auf einer Baustelle »beigebracht«: Steine, Kies und Sand anstatt glatter Asphaltflächen, Gegenstände wie Betonblöcke oder Holzpaletten, die die Fahrbahn blockieren, sowie Menschen in Overalls, Helmen und Warnwesten bestimmen das Bild. Wenn sich Menschen im Nahbereich der Baumaschine aufhalten, übermittelt »ProViu 360« eine Warnung an den Maschinenführer, damit dieser die Maschine stoppt oder gar nicht erst in Bewegung setzt.


Da das System nicht mehr alle nötigen Informationen liefern kann, wenn die Kameras verschmutzt oder blockiert sind, sendet »ProViu 360« auch in diesem Fall eine Warnung, um die Plattform einsatzfähig zu halten. »Auf den ersten Blick sieht das wie eine eher nachrangige Idee aus«, so Meißner. »Aber in einem schmutzigen und anstrengenden Arbeitsalltag ist es wichtig, nicht nur in der Theorie zu helfen. Deshalb wollten wir der Bau- und Bergbaubranche neben der neuesten digitalen Technologie auch ganz konkrete Unterstützung für die Produktivität und Sicherheit bieten.«

Durch das Fahrzeug hindurchblicken

Auch das »Transparent Chassis« für besonders ausladende Baumaschinen soll auf Baustellen einen großen Mehrwert bieten: Mit dieser Funktion werden die von der Frontkamera im vorderen Fahrzeugbereich aufgenommenen Bilder an die Steuereinheit gesendet. Diese zeigt die Aufnahmen abhängig von Lenkwinkel und Geschwindigkeit anstelle des Fahrzeugs an und ermöglicht daher nach Angaben des Herstellers einen Blick durch das Fahrzeug »hindurch«. So weiß der Maschinenführer zum Beispiel bei Walzarbeiten, die besonders viel Präzision benötigen, wo sich sein Fahrzeug im Verhältnis zum Arbeitsfeld befindet.

Zur Verkürzung der Implementierungszeit

Als neuestes Feature für »ProViu 360« präsentierte Continental eine Software-Funktion, die vor allem für die Industrialisierung von Maschinen, die in Kleinserien gefertigt werden, hilfreich sein soll: Die Autokalibrierung könne die Implementierungszeit für »ProViu«-Kamerasysteme in der Produktion deutlich verkürzen. Anstatt das Kamerasystem manuell für optimale Sicht kalibrieren zu müssen, erkennt ein Software-Algorithmus ein Muster rund um das Fahrzeug und legt auf dessen Basis die besten Kalibriereinstellungen für jedes Fahrzeug in kurzer Zeit fest. So werde die Kalibrierzeit des Fahrzeugs um mehrere Minuten pro Fahrzeug verringert. Darüber hinaus könne die Autokalibrierung wiederholbare Ergebnisse garantieren.

»Zum jetzigen Zeitpunkt ist es für uns besonders wichtig, die verschiedenen Anwendungsfälle zu identifizieren, die wir mit neuen Features bedienen können«, resümiert Chris Meißner. »Denn so können Hersteller von Bau- und Bergbaumaschinen von ProViu 360 als Plattform profitieren: Ist die Hardware einmal installiert, können auch künftige Funktionen schnell genutzt und so die Sicherheit auf der Baustelle erhöht werden.«

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