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BOA Technology: Das »BOA-Fit«-System als Gamechanger

Drehen statt schnüren: Geht es um Robustheit, Passform oder Langlebigkeit kann das Verschlusssystem »BOA-Fit« mit zahlreichen Vorteilen gegenüber herkömmlichen Lösungen bei Schuhen punkten. Im Jahr 2001 von Gary Hammerslag erfunden, hat sich das System zu einem »Gamechanger« innerhalb der Arbeitsschutzbranche entwickelt. Die Redaktion der bauSICHERHEIT hat sich in die oberösterreichische Marktgemeinde Mondsee aufgemacht, um im Gespräch mit Alois Badegruber, General Manager EMEA, sowie Christian Heise, Market Development Specialist und Account Manager EMEA bei BOA Technology Inc., mehr über die wichtigsten Meilensteine der BOA-Unternehmensgeschichte sowie den Vorzügen von »BOA-Fit« zu erfahren.

Von Dan Windhorst

Von Colin Fritz

Seit mittlerweile 21 Jahren ist BOA am Markt vertreten. Begonnen hat alles 2001 mit der Entwicklung des »BOA -Fit«-Systems, das anfangs im Snowboardbereich Anwendung fand. Aufgrund des großen Erfolgs konnte das Unternehmen in den darauffolgenden Jahren viele weitere Sparten, insbesondere im Sportbereich, dazugewinnen. Im Jahr 2008 folgte außerdem der Eintritt in die Arbeitsschutzbranche, wo das Verschlusssystem vor neuen Herausforderungen stand. Wenn es um Sicherheitsschuhe geht, stehen Zuverlässigkeit, Robustheit und Langlebigkeit im Vordergrund. Und genau hier konnte BOA punkten. Das System hatte deutliche Vorteile gegenüber klassischen Schnürern – sowohl in puncto Bedienkomfort als auch Sicherheit. »Ich erinnere mich noch gut an das Gefühl, als ich zum ersten Mal einen Schuh mittels BOA-Fit ausprobiert habe. Damals war ich noch für einen anderen Hersteller als Produktdirektor tätig, der mit BOA zusammengearbeitet hat. Mir war sofort klar: Das ist was Neues – und das wird für Veränderungen sorgen«, erinnerte sich Alois Badegruber. »Mich hat das beeindruckt, denn der Schuh hat perfekt gepasst, obwohl er eigentlich zu groß war.« Immer mehr Sicherheitsschuh-Hersteller setzten in den Folgejahren auf das Drehverschlusssystem und damit auf eine Verschlussvariante, die von Haus aus ein weit sichereres Handhaben mit sich bringt. »Schnürsenkel können reißen, öffnen sich oder werden zur Stolperfalle«, so Alois Badegruber. Auf einer Baustelle, gerade wenn in Gefahrenbereichen gearbeitet wird, kann so etwas schnell schmerzhafte Folgen haben. In den Folgejahren baute BOA sein Portfolio an Partnerschaften in den unterschiedlichsten Branchen weiter aus. Mittlerweile ist der Hersteller weltweit aktiv und verfügt neben seinem Hauptsitz im US-amerikanischen Denver über einen EMEA-Standort in Österreich in Mondsee sowie eine Produktion im chinesischen Shenzhen. »Gerade die vergangenen fünf Jahre lassen sich als wichtiger Meilenstein bezeichnen. In dieser Zeit fand ein umfassendes strategisches Umdenken statt. Zum einen hat sich eine neue, größere Denkweise etabliert, zum anderen sind wir viele neue Kooperationen eingegangen und haben Erfahrungen in unterschiedlichsten Branchen gesammelt. Strategisch haben wir uns damit noch einmal neu aufgestellt. Gleichzeitig wurde hinterfragt, welche weiteren Wege wir gehen können und was es braucht, um unser System noch weiter zu verbessern.«

In Zeiten von Corona

Gerade die vergangenen zwei Jahre haben jedoch gezeigt, wie anfällig die Weltwirtschaft für Krisen ist: Die Covid-19-Pandemie hatte teils drastische Auswirkungen auf viele Branchen. »Die letzten zwei Jahre haben das Leben nicht gerade einfacher gemacht und ich bedaure sehr, dass Corona vielen Branchen stark zugesetzt hat«, so Alois Badegruber. »Wirtschaftlich betrachtet sind wir als Unternehmen jedoch gut durch diese Zeit gekommen. Zweifelsohne sind wir mit weit mehr Umsicht vorgegangen und haben großen Aufwand betrieben, um unsere Mitarbeiter zu schützen. Dazu zählten regelmäßige Tests, Abstandsregeln, Schichtbetrieb in den Hochphasen der Pandemie sowie Homeoffice für jeden Arbeitsbereich, der das zuließ.« Mit dem Ukraine-Krieg hat sich in den vergangenen Monaten jedoch noch eine weitere Krise dazugesellt. »Die menschliche Tragödie ist groß und es bleibt abzuwarten, wie sich der Konflikt in Europa und damit die Auswirkungen weltweit entwickeln.« Unter anderem sei die Materialbeschaffung durch den Krieg zusätzlich erschwert worden, sei für BOA zum Glück jedoch weiter stemmbar.


Zusammen mit Market Development Specialist und Account Manager EMEA, Christian Heise (v. li.), durften die Redaktionskollegen Tobias Nickert und Colin Fritz das »BOA Fit«-System genauer unter die Lupe nehmen.

Langfristige Zusammenarbeit auf Augenhöhe

Die Liste an Partnerschaft im Bereich Arbeitsschutz ist lang: Sie reicht von Branchengrößen wie Atlas, Baak, Elten und Engelbert Strauss über Helly Hansen, Mascot, Sievi und Sixton bis hin zu Steitz, Uvex oder Würth – um nur einige zu nennen. Insgesamt ist BOA, Stand heute, 33 Partnerschaften mit europäischen Marken in diesem Bereich eingegangen. Laut Unternehmen wurden allein im Jahr 2021 über 4,3 Mio. Paar Sicherheitsschuhe mit dem »BOA -Fit«-System in Europa verkauft. Der Marktanteil in Skandinavien liegt zudem bei rund 60 Prozent. Ziel dieser Zusammenarbeiten ist es einerseits, die Vorzüge von Boa-Fit für eine sicherere Handhabung zu nutzen, andererseits stehen Passform und Tragekomfort im Mittelpunkt. Anders als ein Schnürsenkel lässt sich das Drehsystem mit jedem einzelnen Klick um ca. 1 mm verschließen. Eine derart hohe Präzision ist bei anderen Verschlusssystemen nicht möglich, weshalb sich das BOA -System dem Fuß des Trägers weit individueller anpassen kann. Bevor es jedoch zu einer Zusammenarbeit kommt, müssen wichtige Parameter abgesteckt werden. Dazu zählen in erster Instanz der Prototypenbau, die Unterstützung bei der Entwicklung, die Autorisierung durch BOA vor der schlussendlichen Massenfertigung sowie das Schulen der Verkaufsteams, um sich ein genaues Bild von der Funktionsweise des »BOA -Fit«-Systems zu machen.


Wie das »BOA -Fit«-System funktioniert

Im Wesentlichen besteht das System aus drei Bestandteilen, dem Drehverschluss, dem Seil und der Seilführung. Der Drehknopf ermöglicht das millimetergenaue Feineinstellen, während das verwendete Seil selbst extremer Belastung standhält und die Seilführung möglichst reibungsarm funktioniert. Dreht der Anwender am Verschluss, sitzt der Schuh fest am Fuß – individuell angepasst in Millimeterschritten. Bieten kann der Drehverschluss aber auch einen maximalen Schlagschutz sowie einen Schutz vor unbeabsichtigtem Öffnen. »Unter anderem haben sich so manche allein deshalb für BOA entschieden, weil sie während ihrer schweren und gefährlichen Arbeit über ihre eigene Schuhbänder gestolpert sind oder unzufrieden mit Klettverschlüssen waren«, sagte Alois Badegruber. Als weiteren Vorteil nennt der Hersteller die Haltbarkeit selbst in verschmutzter Umgebung, was gerade auf Baustellen zu den mitunter wichtigsten Eigenschaften zählt. Der »L6«-Drehverschluss zum Beispiel, nutzt ein gespiegeltes System für intuitive Bedienung beider Drehverschlüsse in die gleiche Richtung. Im Inneren zeigt sich ein Bajonett- und Kartuschensystem: Bei schweren Stößen ist das Drehverschlusssystem so konstruiert, dass es sich laut BOA vom Bajonett löst. Passiert dies, kann eine schnelle Reparatur erfolgen. Hierfür wird die Drehverschlusseinheit wieder in das Bajonett eingesetzt. Nach Aussage des Herstellers kann ein »BOA L6«–Drehverschluss rund 5 500 Mal geöffnet und wieder geschlossen werden, ohne die Funktionalität zu beeinträchtigen. Im Klartext heißt das, der Anwender kann seinen mit BOA ausgestatteten Schuh theoretisch über 15 Jahre hinweg einmal täglich an- und wieder ausziehen. Das verwendete »CS1«-Seil am Schuh wiederum ist trotz des geringen Gewichts besonders strapazierfähig und flexibel. Es besteht aus insgesamt sieben Bündeln zu je sieben Drähten aus rostfreiem Edelstahl und ist abschließend mit Nylon ummantelt. Beim »M4«-Drehverschluss wiederum handelt es sich um eine Lösung die BOA für mid- und high-cut-Schuhe im Sicherheitsbereich entwickelt hat. Es soll Haltbarkeit mit Robustheit und Vielseitigkeit vereinen und gleichzeitig hohen Grip besonders an nassen Tagen bieten. Auch der »M4«-Drehverschluss arbeitet im Inneren nach dem Bajonett- und Kartuschenprinzip.

Von der Garantie bis zur Reparatur

»Eine Frage, die gern gestellt wird, ist, ob das BOA-System kaputtgehen kann. Ja, das kann es, so Alois Badegruber.« Allerdings, so der erfahrene Branchenprofi weiter, gebe BOA trotz dessen nicht ohne Grund eine lebenslange Garantie: »Im Regelfall überleben unsere BOA-Materialien den Schuh, weshalb wir eine Garantie im Rahmen der Lebensdauer des Produkts geben, auf dem das System integriert wurde.« Sollte ein Verschluss oder Seil dennoch kaputtgehen, bietet BOA die notwendigen Ersatzteile. Der Anwender kann selbst entscheiden, ob er die Ersatzteile online ordert und selbst repariert oder ob er eine professionelle Reparatur vor Ort vorzieht. Die bauSICHERHEIT-Redaktion konnte sich vor Ort ein eigenes Bild davon machen und ein solches Ersatzteil-Kit genauer unter die Lupe nehmen. Muss jedoch Zeit überbrückt werden, bis das Reparatur-Kit eintrifft, kann der Anwender den Drehverschluss einfach ziehen und damit das System öffnen. Anschließend lässt sich das Seil herausziehen und ein einfacher Knoten machen. Auf diese Weise bleibt der Schuh tragbar und erhält die notwendige Stabilität beim Laufen, bis die Reparatur vorgenommen werden kann.   dc

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