Wer in der Dämmerung oder nachts schon einmal einer dunkel gekleideten Person begegnet ist und diese beinahe übersehen hätte, weiß, wie wichtig die Sichtbarkeit für die Sicherheit ist. Daher verwundert es nicht, dass reflektierende Kleidung zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im professionellen Bereich ist Warnschutzkleidung der EN ISO 20471 gesetzlich für all jene Tätigkeiten vorgeschrieben, in denen für die Beschäftigten ein hohes Risiko besteht, bei Arbeiten im Straßenverkehr übersehen zu werden. Die Norm gilt also beispielsweise im Leitungs- und Tiefbau, im Straßen- und Gleisbau, in der Abfallwirtschaft oder auf Baustellen und Bauhöfen. Die EN ISO 20471 definiert drei Warnschutzklassen. Je höher die Klasse, desto größer ist das Risiko. Dementsprechend steigt mit der Klasse die erforderliche Mindestfläche an fluoreszierendem Hintergrundmaterial und an retroreflektierendem Material, die die PSA aufweisen muss. Welche Warnschutzklasse vonnöten ist, wird im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung ermittelt.
Neue Spielräume und Wahlmöglichkeiten
2020 hat die EN ISO 20471 eine smarte Schwester bekommen – die EN 17353. Diese ersetzt zwei Normen: die EN 1150, die sich mit Schutz- und Warnkleidung für den nicht professionellen Gebrauch befasste, und die EN 13356:2001, die Warn-Zubehör für den nicht professionellen Gebrauch regelte. »Es hat etwas gedauert, bis die Norm am Markt angekommen ist«, weiß Marcel Kremer, Business Development Manager und Experte für Warnschutzkleidung bei BP, »doch jetzt spüren wir Hersteller eine verstärkte Nachfrage.« Das liegt zum einen daran, dass das Sicherheitsbedürfnis steigt und Unternehmen, auch vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels, viel Wert auf das Wohl ihrer Mitarbeitenden legen. Ein anderer Aspekt ist, dass die EN 17353 den Warnschutz flexibler gestaltet, den Arbeitgebenden sehr wirtschaftliche Lösungen ermöglicht und den Beschäftigten völlig neue Spielräume und Wahloptionen bei ihrer Kleidung bietet.
Als einer der ersten Hersteller hat BP auf die steigende Nachfrage nach Schutzkleidung, die nach der EN 17353 zertifiziert ist, reagiert und Kleidung des Typs A auf den Markt gebracht. Die T-Shirts, Poloshirts, Langarm-Poloshirts und Funktionsshirts bestehen aus fluoreszierendem Material, bieten also auch ohne Reflexstreifen Schutz. Das ist ein großer Vorteil, weil es den Tragekomfort erhöht. »Sichtbarkeit gibt es so ohne Kompromisse bei Bewegungsfreiheit«, sagt Kremer. Dank der von BP entwickelten Veredelungsmöglichkeiten lässt sich bestehende BP-Berufsbekleidung nach EN 17353 Typ B zertifizieren – so gelingt Unternehmen der schnelle Umstieg auf die neue Norm, ohne ihre bewährte Berufsbekleidung ersetzen zu müssen. Im Gegensatz zur EN ISO 20471 richtet sich die EN 17353 an Berufsgruppen mit einem mittleren Risiko – also z. B. an Beschäftigte auf dem Bau, in der Logistikbranche oder in der Industrie. Damit ist die EN 17353 unterhalb der EN ISO 20471 angesiedelt, die auf Hochrisiko-Tätigkeiten im fließenden Verkehr abzielt. Ob eine mittlere oder eine hohe Gefährdung vorliegt, ergibt die Risikoanalyse, die ein Unternehmen in den Einsatzbereichen der Beschäftigten durchführen muss.
Mehr Gestaltungsfreiheit für Hersteller
Bei der EN 17353 gibt es grundsätzlich drei Typen: Produkte des Typs A sind fürs Tageslicht geeignet und bestehen aus fluoreszierendem Material. Kleidungsstücke des Typs B sind für die Dunkelheit konzipiert und müssen daher mit retroreflektierendem Material, also mit Reflexstreifen, ausgerüstet sein. Je nach Fläche und Beschaffenheit des retroreflektierenden Materials wird darüber hinaus zwischen B1, B2 und B3 unterschieden. Hersteller BP beispielsweise setzt auf den Typ B2 und bietet eine nachträgliche Reflexstreifenveredelung nach EN 17353 (Typ B2) für ausgewählte Kollektionen an. Und schließlich gibt es Typ AB, der sich für alle Lichtverhältnisse inklusive der Dämmerung eignet. Die Sicherheitsanforderungen für Kleidung des Typs AB werden durch eine Kombination von Reflexstreifen und hochsichtbarem Material erreicht.
Im Vergleich zur Warnschutzbekleidung der EN ISO 20471, die immer beide Materialien voraussetzt, gewährt die EN 17353 Herstellern wie BP mehr Gestaltungsfreiheit, was die Anordnung der Hintergrundflächen, die Breite der Reflexstreifen und die Palette der fluoreszierenden Hintergrundfarben betrifft. Wie haltbar die sicherheitsrelevanten Materialien sind, hängt in besonderem Maße von der Pflege ab. Es empfiehlt sich daher, die Reinigung und Aufbereitung von Textilservice-Unternehmen durchführen zu lassen, weil deren Reinigungs- und Aufbereitungsprozesse auf Warnschutzkleidung abgestimmt sind. Deswegen sollte Warnschutzkleidung nach ISO 15797 zertifiziert sein, um die Eignung für industrielle Waschprozesse sicherzustellen.