Messe München GmbH Messe München: »Die Dimensionen lassen keinen unberührt«

Ein Mammut-Projekt, das alle drei Jahre seine Tragweite in den Münchener Messeboden rammt: Die bauma gilt als flächenmäßig größte Messe der Welt und erweist sich gleichzeitig als der wohl wichtigste Treffpunkt der gesamten Bau- und Baumaschinenbranche. Von ungefähr kommt das allerdings nicht. Als Veranstalter ist die Messe München über Jahre hinweg damit beschäftigt, dieses Event planen, vorbereiten und ausrichten zu können. bauSICHERHEIT-Chefredakteur Dan Windhorst hat mit Stefan Rummel, Managing Director der Messe München, im Interview darüber gesprochen, was die bauma tatsächlich bedeutet, welcher Aufwand dahintersteckt und was Aussteller und Besucher gleichermaßen inmitten dieses von Pandemie und Krieg gezeichneten bauma-Jahres zu erwarten haben.

Lesedauer: min | Bildquelle: Messe München
Von: Dan Windhorst

bauSICHERHEIT: Die Vorfreude auf die bauma ist ungebrochen – und die Begeisterung für das, was uns alle in München im Oktober erwartet, ist groß. Als Fachmagazin haben wir den Ausstellern im Vorfeld die Frage gestellt, wie sich die bauma kurz und knapp für jene beschreiben lässt, die das erste Mal nach München kommen und noch keine Vorstellung davon haben, was sie dort erwartet. Dieselbe Frage stelle ich nun auch Ihnen.

Stefan Rummel: Die bauma ist zum einen flächenseitig die größte Messe der Welt. Zum anderen bietet sie eine nie dagewesene Dichte an großen, beeindruckenden Baumaschinen. Man sieht die Anstrengungen, die unsere Kunden unternehmen, um sich und ihre Produkte adäquat zu präsentieren. Wenn man die Messe zum Beispiel gerade auch auf Luftbildern sieht, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Deshalb bin ich bei der bauma jedes Mal wieder aufs Neue beeindruckt, wenn ich am ersten Messetag die vielen Menschen am Eingang stehen sehe, die darauf warten, eingelassen zu werden. Die Dimensionen lassen keinen Aussteller oder Besucher unberührt.

bauSICHERHEIT: Die Tragweite der bauma lässt sich unter anderem auch an der langen Vorbereitungszeit festmachen: Die Hotels werden drei Jahre, teils sogar länger, im Voraus gebucht, die Standbauten gehen mit ungeheurem Aufwand einher und auch die Ingenieure sitzen lange Zeit am Reißbrett, um Neuheiten auf den Weg zu bringen. Wie haben sich unsere Leser das aus Sicht der Messe München vorzustellen? Wie viele Personen sind an der bauma insgesamt beteiligt und was gilt es drei Jahre lang alles zu bewältigen, damit die Messe ihre Tore öffnen kann?

Stefan Rummel: Aufgrund ihrer Größe beschäftigt die bauma selbstverständlich eine große Zahl an Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bei uns im Haus. Wir unterscheiden dabei zwischen Projektteam und den Querschnittsabteilungen. Die Projektleitung gestaltet die strategische Ausrichtung der Veranstaltung und ist zentraler Anlaufpunkt für die Aussteller. Dieses siebenköpfige Team ist ausschließlich für die bauma zuständig. Ergänzend kommen dann ab einem gewissen Zeitpunkt auch übergreifende Bereiche wie Vertrieb und Kommunikation hinzu. Eine besondere Bedeutung besitzen aber die Bereiche Messeservice mit dem Technischen Aussteller-Service, Logistik, Verkehr und Sicherheit sowie unserer Bauabteilung. Für eine bauma sind hier alle Teams aus diesen Bereichen im Einsatz. So zählt unter anderem das Anmieten von Parkflächen und die Verkehrsführung rund um das Messegelände zu den wichtigsten organisatorischen Aufgaben. Schon weit vor Aufbau der Stände, der zum Teil schon mehrere Monate vor Messestart beginnt, stimmt sich unser Technik-Team mit den Ausstellern zu deren Standbauten ab.  Dabei gilt es von Brandschutzthemen über Statik und Anschlüsse für Strom, Wasser oder Internet alles im Blick zu behalten, um einen möglichst reibungslosen Ablauf für alle Aussteller im Aufbau und natürlich während der Veranstaltung zu gewährleisten. Diese grundlegenden Dinge werden vom Besucher auf der Messe teilweise gar nicht wahrgenommen, dabei handelt es sich bei der Vielzahl an Messeständen jedoch um sehr umfangreiche und intensive Aufgaben. Das Sprichwort »Nach der Messe ist vor der Messe« trifft auf die bauma besonders zu. Ungefähr ein halbes Jahr nach Messeende starten bereits die ersten Vorbereitungen für die kommende Veranstaltung.

bauSICHERHEIT: Geben Sie unseren Lesern doch bitte einen kurzen Einblick in die aktuell wichtigsten Trendthemen, die auf der bauma erwartet werden und dabei klar im Mittelpunkt stehen.

Stefan Rummel: Wir haben der bauma sogenannte Leitthemen gegeben, welche die Zukunftsthemen der Branche widerspiegeln, nämlich »Bauweisen und Materialien von morgen«, »Der Weg zu autonomen Maschinen«, »Mining – nachhaltig, effizient und zuverlässig«, »Digitale Baustelle« und »Der Weg zu Null Emission«. Diese fünf Leitthemen nehmen sowohl in den Live-Präsentationen an den Messeständen als auch auf den Forenbühnen im Rahmenprogramm eine wichtige Rolle ein.

bauSICHERHEIT: Nachdem die bauma von April in den Oktober verschoben wurde und die Covid-19-Pandemie mit immer neuen Einschränkungen und Vorgaben einherging, waren die meisten Messen und Veranstaltung über zwei Jahre hinweg von der Bildfläche verschwunden. Wie hat die Messe München diese Zeit seit März 2020 erlebt – und auch verkraftet?


Stefan Rummel: Die vergangenen zwei Jahre sind für uns als Messegesellschaft alles andere als einfach gewesen. Im März 2020 ist unser Geschäft von heute auf morgen komplett eingebrochen und es wurde zwischenzeitlich die Frage gestellt, ob unser Geschäftsmodell grundsätzlich disruptiert wurde. An diese neue Situation mussten wir uns anpassen. Aber in jeder Krise liegen eben auch Chancen. So hat die neue Situation sicherlich die digitale Transformation unseres Unternehmens beschleunigt. Oder die möglichen Arbeitsmodelle werden weiterentwickelt. Alles Dinge, die heute positiv zu bewerten sind. Und was die mögliche Disruption anbelangt: Neben den vielen bereits angelegten Trends, welche die Corona-Pandemie verstärkt hat, hat sie auch deutlich gezeigt, dass sich der persönliche Kontakt und das gemeinsame Erleben nicht digitalisieren lassen. Die Menschen kommen wieder auf unsere Messen und das freut uns natürlich sehr.

bauSICHERHEIT: Wie eingangs erwähnt, ist bei vielen Ausstellern das berühmte »bauma-Kribbeln« zurückgekehrt. Trotzdem bleibt eine Sorge: Niemand kann verlässlich voraussagen, welche Auswirkungen die Pandemie auf diesen Herbst haben wird. Was könnten zu hohe Fallzahlen, bezogen auf Einschränkungen, Schutzmaßnahmen oder auch Einreisebeschränkungen (international), im schlimmsten Fall für die bauma bedeuten? Auf welche Szenarien hat sich die Messe München hier eingestellt?

Stefan Rummel: Wir sind grundsätzlich optimistisch, dass die bauma ohne Einschränkungen stattfinden wird. Welche äußeren Faktoren bis zur Messe noch eine Rolle spielen, können wir aktuell nicht einschätzen. Bei den bisherigen Veranstaltungen in diesem Jahr haben wir mit unserem Schutz- und Hygienekonzept jedoch bewiesen, dass Messen sämtlicher Größenordnung kein Risiko für Aussteller und Besucher darstellen. Von unserer Seite sind wir mit den Maßnahmen auf dem Messegelände bestens vorbereitet und können allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein sicheres Messeerlebnis in Aussicht stellen.

bauSICHERHEIT: Zusätzlich zu Corona ist mit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ein weiteres Krisenfeuer entfacht, das direkte Auswirkungen auf unsere Branche hat. Die Bauwirtschaft verzeichnet, ebenso wie die Baumaschinenhersteller, teils drastisch gestiegene Materialpreise, muss gleichzeitig aber auch mit Logistikproblemen umgehen. Lässt sich (Stand heute) abschätzen, welche Auswirkungen der Ukraine-Krieg auf die bauma hat?

Stefan Rummel: Dass die Lieferengpässe, die massiv gestiegenen Energiepreise und die Inflation alle Unternehmen massiv belasten, ist weithin bekannt – diese Problematik lässt ja fast keinen Lebensbereich aus. Inwieweit unsere Aussteller im Einzelnen von diesem Problem konkret betroffen sind, können diese sicherlich besser beantworten. Wir bei der Messe jedenfalls haben mit den gleichen Themen zu tun: gestiegene Preise, weniger Material und vor allem auch weniger Personal. Was konkret die bauma anbelangt, so können wir heute vor allem sagen, dass der Krieg dazu führen wird, dass keine Aussteller oder Besucher aus Russland oder der Ukraine auf der bauma vertreten sein werden.  

bauSICHERHEIT: Eine Frage, die sich Aussteller wie Besucher gleichermaßen stellen: Wird die bauma eine andere sein, als wir es gewohnt sind? Lässt sich sagen, mit welchen Besucherzahlen gerechnet wird?

Stefan Rummel: Auch wenn wir in diesem Jahr sicherlich etwas andere Bedingungen haben, sind wir überzeugt, dass sich die bauma 2022 wie eine »normale bauma« anfühlen und wieder der Treffpunkt der gesamten Branche sein wird. Aber eine valide und seriöse Schätzung, wie viele Besucher wir erwarten, ist derzeit nicht möglich. Analog den Messen, die bereits gelaufen sind, gehen wir aber von einem moderaten Rückgang aus.   dc

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