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MSA: »Unsere Kernaufgabe ist es, die Arbeiter zu schützen«

Mit hohen Ansprüchen und praxisnaher Entwicklungsarbeit konzentriert sich MSA – The Safety Company auf ein bestimmtes Ziel: »Wir schützen Menschen«.

Von Dan Windhorst

Und dabei handelt es sich nicht um eine Floskel, sondern vielmehr um einen Grundsatz, dem sich das US-amerikanische Unternehmen bereits seit seiner Gründung verschrieben hat. Die bauSICHERHEIT hat sich in der deutschen Niederlassung in Berlin die ebenso tragische wie spannende Geschichte dazu erzählen lassen. Zudem zeigte ein Blick auf die aktuelle Forschung- und Entwicklungsarbeit, was Sicherheitstechnik von morgen schon heute leisten kann.

Das Verständnis von Sicherheit begründet sich bei MSA schon in der Firmenhistorie: Gegründet wurde das Unternehmen als Folge eines dramatischen Bergwerkunglücks, bei dem 1912 mehr als 80 Bergleute im Bergwerk Jed Mine in West Virginia ums Leben kamen. Gemeinsam mit seinem Kollegen George H. Deike nahm der Bergbauingenieur John T. Ryan Senior diese Tragödie zum Anlass, das Unternehmen MSA 1914 zu gründen.

Erklärtes Ziel war es, die Arbeiter mit besserer Schutzausrüstung zu versorgen, um so die lebensbedrohenden Folgen im Falle einer Katastrophe deutlich zu verringern. An diesem Grundgedanken hat sich bis heute aber nichts geändert. »Wir wollen erreichen, dass Arbeiter mit einem guten Gefühl zur Arbeit gehen und Sicherheit auch wirklich leben«, sagt Heiko Will, Engineering Manager bei MSA. Derzeit ist das Unternehmen mit den Hauptentwicklungsstandorten Pittsburgh und Berlin damit be­schäftigt, seine Produkte zu optimieren. »Wir nutzen das Feedback der Anwender, die unser Equipment Tag für Tag im Einsatz haben. Dabei sind unsere Produkte teilweise extremen Dauerbelastungen ausgesetzt«, sagt Heiko Will.

Absturzsicherung im Rucksack-Set

MSA Safety hat vor kurzem neue Absturzsicherungssets auf den Markt gebracht, die den Arbeitern in der Höhe eine noch einfachere Absicherung ermöglichen sollen. Damit erweitert das Unternehmen seine Produktpalette der »V«-Serie und vergrößert gleichzeitig das Angebot der persönlichen Schutzausrüstung (PSA).

»Die PSA-Sets sind so zusammengestellt, dass sie die benötigte Ausrüstung in den verschiedenen Arbeitsumgebungen beinhalten, was die Handhabung und die Entscheidungsprozesse der Nutzer vereinfacht. Man muss lediglich durch die Bewertung einzelner Szenarien sicherstellen, dass das Set für einen bestimmten Standort oder eine bestimmte Aufgabe geeignet ist«, so Uwe Reber, Business Development Manager Central Europe bei MSA. Die anwendungsspezifischen Sets gibt es für Gerüstbauer, Wartungspersonal, Dachdecker oder Arbeiter auf mobilen Hubarbeitsbühnen. Als weiteren Vorteil nennt MSA, dass die Sets in einem Rucksack geliefert werden, was den Transport und die Handhabung entkomplizieren soll.

Sicherheitsprodukte unter strenger Beobachtung

Entwicklung und Produktion der Sicherungssysteme sind sehr aufwendig, wie umfangreiche Testreihen in den MSA-Labors zeigen. Ein gutes Beispiel dafür ist laut MSA der »Latchways Constant Force«-Dachanker. Er wurde speziell für den Einsatz bei Kalzip-Stehfalzdächern entwickelt und hat die Tests und Zulassungsverfahren des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt) bestehen müssen (die bauSICHERHEIT berichtete bereits in Heft 12/17, Seite 53).

Durch die Zusammenarbeit mit Kalzip erlangte MSA in diesem Zuge deutschlandweit die DIBt-Zertifizierung für Arbeitssicherheit in Höhen. Ungeachtet dessen weist Uwe Reber aber noch einmal darauf hin, dass das allein noch nicht die komplette Verantwortung abdecke: »Jeder Bauunternehmer, Konstrukteur oder Architekt sollte die Festlegung der Absturzsicherung vor Ort noch einmal hinterfragen und prüfen, ob das verwendete System zum Beispiel auf den jeweiligen Dachtypen auch wirklich getestet wurde. Bei einer Absturzsicherung darf man nicht einfach annehmen, dass ein System, das für einen bestimmten Dachtyp geeignet ist, auch für alle anderen Dachtypen passt.«

Das »Ü«-Zeichen beachten

Die EU-Kommission hat festgelegt hat, dass Anschlageinrichtungen vom Typ A, C und D nach EN 795: 2012 nicht mehr als PSA gelten, sondern Bestandteil der Struktur sind. Nicht zuletzt deshalb ist es also nicht nur allein Aufgabe des Arbeiters, die installierten Sicherungen zu prüfen und die An­schlageinrichtung auf dessen Verwendbarkeit so­wie Funktionalität zu hinterfragen. Sondern das DIBt hat außerdem eine nationale Anforderung für die Prüfung und Zertifizierung (abZ) eingeführt. Das heißt: Nach erfolgreich absolvierten Prüfungen des DIBt dürfen sogenannte abZ-zertifizierte Produkte das Ü-Zeichen tragen. MSA ist laut eigener Aussage der erste Hersteller, der für seine »Constant Force«-Dachankervorrichtung die abZ-Zertifizierung erhalten hat.


Liebe zum Detail trifft auf technisches Know-how

Natürlich kommt der hohe Prüfungsanspruch nicht von ungefähr: MSA lebt vom Geschäft mit der Sicherheit, und dafür werden die Produkte penibel geprüft. So sind die Labor- und Testbereiche am Standort Berlin sind dicht aneinandergereiht: Neben Dauerbelastungstests für bewährte sowie neue Produkte laufen dort auch Testreihen mit Prototypen. »Wir investieren stark in die Prüfung unserer Produkte und Systeme, um über die Standards hinaus denken zu können«, berichtet Nicole Schmitz, Manager Marketing-Communications, beim Rundgang durch den MSA-Komplex.

Beispielsweise habe sich bei der Überprüfung des »Latchways Constant Force«-Dachankersystems herausgestellt, dass dieses nicht nur von drei, sondern von bis zu sechs Anwendern genutzt werden könne. Beim energieabsorbierenden Dachanker handelt es sich um ein System, das über eine seilbasierte lastenabsorbierende Absturzsicherung verfügt, die für das Rückhalten ebenso konzipiert wurde wie für das Auffangen. Die Kraft, die auf den Anschlagpunkt einwirkt, kann dabei laut Herstellerangaben auf 6,5 kN gemindert werden.

Ein weiterer Vorteil ist laut MSA, dass nach dem Einsatz nur noch der Dachanker ausgetauscht werden muss, die Dachkonstruktion indes bleibt unbeschädigt. »Bei solchen Produkten ist es wichtig, sich auf die Erfahrung aus der Praxis zu konzentrieren. Jemand, der Schutzausrüstung schon seit vielen Jahren nutzt, kann uns einen ganz anderen Blick auf die speziellen Anforderungen verschaffen. Beim Dachanker haben wir zum Beispiel schon während der Entwicklungsphase eng mit Dachherstellern zusammengearbeitet«, erklärt Uwe Reber. »Bei solchen Fragen können wir uns einfach keine Fehler leisten.«

Normen nicht nur erfüllen, sondern auch mitgestalten

Immer wieder in den Fokus rückt bei Herstellern wie MSA die Tatsache, dass mit der Schutzausrüstung Unfälle am Bau vermieden werden müssen. Ein Absturz ist laut MSA immer noch eine der Hauptursachen für arbeitsbedingte Verletzungen und Todesfälle. Gerade deshalb sei die strikte Einhaltung aktueller Normen so wichtig, betont Uwe Reber. »In diesem Zusammenhang sind wir natürlich stolz, wenn wir sagen dürfen, dass wir die ­Normen nicht nur erfüllen, sondern eben auch ­mitgestaltet haben.«

Laut MSA beinhaltete die im Jahr 2014 veröffentlichte Version der Normen für die Prüfung von vertikalen Auffangsystemen (EN 353-1:2014) zahlreiche Ergänzungen für mitlaufende Auffanggeräte. Insbesondere bei Kälteprüfungen hatte MSA ein Problem festgestellt. So entdeckte MSA bei der ­Prüfung der »LadderLatch«- und »TowerLatch«-­Systeme in der Version der Norm aus 2014 einen kleinen Fehler: Der Test sah vor, dass das mitlaufende Auffanggerät in Wasser eingetaucht und dann einer Temperatur von – 30 °C ausgesetzt werden sollte.

Dies stellte nach Ansicht von MSA keine realen Arbeitsbedingungen dar, weshalb beim Komitee für Normung ein Antrag auf Berichtigung gestellt wurde. Das Ergebnis ist die Veröffentlichung der Norm EN 353-1:2018. Dies dokumentiere, so heißt es bei MSA, die Gründlichkeit des unternehmenseigenen Prüfungssystems.

Zu Recht gelten strenge Auflagen

Die Festlegung der Normen für die Sicherheit in großer Höhe unterliegt keinen Kompromissen, weshalb das Verfahren zum Erhalt der EU-Baumusterprüfverfahren dementsprechend streng ist. Die aktuelle Testreihe zur Norm EN 353-1:2018 umfasste nach Informationen von MSA eine große Bandbreite dynamischer Prüfungen, die alle Eventualitäten abdecken sollten und gleichzeitig alle Bestandteile der Ausrüstung auf Herz und Nieren testete.

Geprüft wurden die maximalen Haltekräfte, die Sperrfunktion bei kalten Temperaturen, die Festigkeit des Führungsbügels sowie die Sperrfunktion des Auffanggerätes bei nach vorn und seitwärts geneigter Führung. Hinzu kamen die Prüfungen des Führungsbügels, des seitlichen Absturzes, des ­Neigungswinkels, der statischen Festigkeit sowie eine Fallback-Prüfung, bei der ein Absturz des Arbeiters nach hinten und nach unten simuliert wird.

Mit neuer Technologie auch neue Wege gehen

Ein Problem bei derartigen Tests sei, so heißt es bei MSA, dass sie strikten Mustern folgten, die selten Raum für Zufälle ließen. »Wir haben auf der Baustelle keine Reinraumbedingungen, und diesen Fakt müssen wir bei der Entwicklung, beim Test und bei der eigentlichen Verwendung am Bau berücksichtigen«, sagt Heiko Will.

Darüber hinaus möchte MSA laut Nicole Schmitz »gern neue Wege gehen, sich auf neue Technologien einlassen und die fortschreitende Digitalisierung nutzen«. Ein gutes Beispiel dafür sei die Verwendung von Virtual-Realitiy-Brillen und Software-Lösungen, die das Austesten von Schutzausrüstung unter möglichst realistischen Bedingungen aufzeigen können. So wie bei den Fallschutz-Produkten.

Nicole Schmitz: »Mit der VR-Brille können wir unterschiedlichste Umgebungen schaffen und den Nutzer virtuell mit dem nötigen Equipment ausstatten. Indem wir Gefahrensituationen oder schwierige Arbeitsabläufe simulieren, erhalten wir ein viel direkteres Feedback, ohne dafür real in Gefahr zu geraten. Natürlich lässt sich das Programm auch gut fürs Training nutzen. So kann der Anwender in kurzer Zeit den Umgang mit unserer Fallschutzeinrichtung lernen oder er weiß, wie man sich am sichersten auf einem Gerüst, auf einem Dach oder an einem Strommast bewegt.«    w

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