Liebherr-International Deutschland GmbH Assistenzsysteme für Radlader

Lesedauer: min
Von: Dan Windhorst

Als vielseitiges Arbeitstier sind Radlader auf Baustellen unerlässlich. Und doch gehören sie »mit Vorsicht zu genießen.« Aufgrund ihrer hohen Motorleistung, der Bereifung und ihrer herausragenden Wendigkeit erweisen sie sich als schnelle und flexible Kraftpakete, die es aber erstmal zu beherrschen gilt. Um einen sicheren Umgang zu ermöglichen, braucht es in erster Linie viel Erfahrung seitens der Baugeräteführer. Das allein reicht aber nicht aus, weshalb in Sicherheitsfragen vor allem moderne Assistenzsysteme stark in den Mittelpunkt rücken. Der Baumaschinen-Gigant Liebherr hat kürzlich in Ulm eine große Bandbreite an digitalen Tools sowie Assistenzlösungen vorgestellt, die das Arbeiten mit Baumaschinen nicht nur effizienter, sondern vor allem auch sicherer machen können. Die Redaktion der bauSICHERHEIT war vor Ort und hat die Systeme nun genauer unter die Lupe genommen.

Machen wir uns nichts vor: Jeder, der einmal in einem großen Radlader gesessen hat, weiß um die gewaltige Leistungsfähigkeit dieser Maschinen. Durch das hohe Schaufelvolumen ist er aus der Gewinnung, der Erdbewegung oder beim Materialumschlag nicht mehr wegzudenken. So groß, schwer, schnell und eindrucksvoll Radlader aber auch sein mögen – sie sind gleichzeitig eine Gefahrenquelle auf jeder Baustelle. Das Stichwort lautet: Gefahrenbereich. Ist die Schaufel bis zum Rand gefüllt oder geht es hektisch in den Rückwärtsgang, können schnell mal Personen übersehen werden. Und das nicht zwangsläufig, weil der Bediener unachtsam war, sondern weil er die Gefahr schlichtweg überhaupt nicht einsehen konnte.

Auf ganzheitliche Lösungen setzen

Aufgrund einer anwendernahen Entwicklungsarbeit setzt Liebherr bei seinen Radladern auf Systemlösungen, die ineinandergreifen und den Bediener während der Arbeit unterstützen, statt sie einzuschränken. Ein gutes Beispiel sind die aktive Personenerkennung, welche heckseitig installiert wird, eine weit präzisere Joysticklenkung, Kameraüberwachungslösungen sowie eine integrierte Reifendrucküberwachung. Das erklärte Ziel hierbei: Die Sicherheit im Radlader erhöhen und dem Anwender gleichzeitig einen optimierten Bedienkomfort bieten, um die Leistungsfähigkeit zu steigern, ohne auf verbesserten Schutz zu verzichten. Laut Liebherr reduzieren die konzipierten Assistenzsysteme das Unfallrisiko, steigern gleichzeitig aber den Bedienkomfort, um einen sicheren und effizienten Maschinenbetrieb zu ermöglichen.

Um das Ladegewicht sowie dessen -menge im Blick zu behalten,  hat Liebherr den Truck Payload Assist entwickelt – ein Wiegesystem für Radlader das automatisch und intelligent handelt.

Warnt vor Gefahren im Heckbereich

Eine kluge Entwicklung stellt beispielsweise die aktive Personenerkennung dar: Sie überwacht den Radlader heckseitig und warnt den Bediener automatisch über ein visuelles Symbol am Display sowie über akustische Signale vor drohender Gefahr. Eine weitere Hilfestellung zur Vermeidung von Kollisionen, so Liebherr, ist außerdem der Bremsassistent. Dieser reduziert automatisch die Geschwindigkeit des Radladers bis zum Stillstand, sobald die aktive Personenerkennung ein Warnsignal ausgibt. Das System soll mit Unterstützung hochmoderner Kameratechnik zwischen Personen und Objekten unterscheiden können, ohne dass Personen mit Transpondern oder Sensoren ausgestattet sein müssen. Zudem sollen Fußgänger durch ein auffälliges akustisches Signal und ein deutliches Blinklicht gewarnt werden, sobald sie sich im Gefahrenbereich der Maschine befinden. Tritt der Fall ein, dass sich eine Person im hinteren Rangierbereich des Radladers aufhält, alarmiert das Liebherr-System den Fahrer – laut Hersteller weit früher als etwa bei statischen Objekten. Auf diese Weise sollen unnötige Warnsignale vermieden werden, allein schon, um die Belastung des Fahrers zu reduzieren. Die gezielte Warnung mit unterstützender Bremsfunktion soll grundsätzlich zur Vermeidung eines Personenschadens beitragen und das Unfallrisiko senken. Und übrigens: Für einen noch sichereren Maschinenbetrieb können die Warnungen auch über LiDAT, einem Datenübertragungs- und Ortungssystem von Liebherr, in einer intuitiven Gefahrenkarte ausgewertet werden.

Die adaptive Arbeitsbeleuchtung

Nicht zu unterschätzen ist in diesem Zusammenhang aber auch die grundsätzliche Sichtbarkeit: Um gerade bei schlechter Witterung oder ungünstigen Lichtverhältnissen wie der Dämmerung seinen Arbeitsbereich dennoch gut einsehen zu können, braucht es in erster Linie die notwendige Helligkeit. Optional bietet Liebherr hier aktuell für Radladermodelle wie dem L 526 oder L 586 XPower eine intelligente Lichtsteuerung, welche die Helligkeit der Scheinwerfer einsatzbezogen anpasst. Die verschiedenen Beleuchtungskomponenten werden nur dann vollautomatisch eingeschalten, wenn sie auch benötigt werden. Mithilfe von modernen Lichtsensoren passt sich die Lichtleistung der LED-Scheinwerfer automatisch an die Position des Hubgerüsts, der Arbeitsausrüstung und den Radlader-Knickwinkel an. Dies ermöglicht eine gleichmäßige Ausleuchtung des gesamten Arbeitsbereichs. Durch einen zusätzlichen Scheinwerfer am Vorderwagen und durch das automatische Dimmen der vorderen Arbeitsscheinwerfer wird der Arbeitsbereich jederzeit ideal ausgeleuchtet, um eine Eigenblendung des Fahrers zu vermeiden. Dadurch werden auch Spiegelungen und Schatten reduziert. Ideale Sichtverhältnisse sorgen laut Liebherr somit für ein hohes Maß an Sicherheit und ermöglichen dem Fahrer ein komfortables und ermüdungsfreieres Arbeiten, vor allem bei Dunkelheit und Nachteinsätzen.

Vielseitig, flexibel und effizient: Radlader decken ein gewaltiges Einsatzspektrum ab.

Dachkamera und Skyview

Eine Besonderheit, auf die Radladerfahrer bei Liebherr zurückgreifen können, sind Dachkamerasysteme: Damit soll das Sichtfeld des Bedieners erweitert werden – insbesondere bezogen auf die Sichtverhältnisse auf den vorderen Arbeitsbereich. Besonders bei Einsätzen mit großen Arbeitsausrüstung dient sie zur besseren und schnelleren Erkennbarkeit von Personen und Hindernissen im Frontbereich. Der Fahrer kann mögliche Gefahrenquellen auf einem separaten Display in der Fahrerkabine sofort erkennen. Das erhöht die Sicherheit und schützt vor Unfällen mit Personenschaden. Zusätzlich wird durch die verbesserte Sicht in hohe Container, Lkw und Trichter ein effizienteres Beladen und Beschicken ermöglicht und die Produktivität gesteigert. Eine komplette Übersicht verschafft hingegen das Assistenzsystem Skyview 360°, das laut Liebherr vor allem »mit hochauflösender Bildqualität« zu punkten weiß. Das System bietet eine komplette Übersicht über das ganze Maschinenumfeld, wodurch Gefahrenquellen frühzeitig erkannt und Unfälle verhindert werden. Das optional erhältliche Assistenzsystem Skyview 360° für die Liebherr-Radlader L 526 bis L 586

XPower vereinfacht die Überwachung des Maschinenumfelds. Skyview soll dem Fahrer jederzeit einen 360-Grad-Blick rund um den Radlader bieten, indem vier zusätzliche Kameras das komplette Maschinenumfeld erfassen. Die Bilder dieser Kameras werden zu einer gemeinsamen Darstellung der Maschinenumgebung aus der Vogelperspektive zusammengeführt und auf einem separaten Display in der Fahrerkabine angezeigt. Somit lässt ein Blick auf das zusätzliche Display den Fahrer etwaige Hindernisse aus der Vogelperspektive 360° um den Radlader erkennen. Der Fahrer kann dadurch sämtliche Gefahrenbereiche und tote Winkel rasch einsehen und einordnen, wodurch die Sicherheit und Produktivität erhöht wird. Ein Tipp: Die Assistenzsysteme Skyview 360° und die aktive Personenerkennung heckseitig sind miteinander kombinierbar. Sie bieten dem Fahrer eine sichere und komfortable Bedienung des Radladers und eine wahrlich gute Überwachung des gesamten Maschinenumfelds.

Ausstatten lassen sich Liebherr-Radlader mit aktiver Personenerkennung heckseits sowie einem Bremsassistenten, um das Arbeiten sicherer zu machen.

Das Gewicht im Blick behalten

Ein Thema, das gerade erfahrene Radlader-Bediener kennen, ist die Standsicherheit. Gerade weil Radlader in der Regel über ein immenses Schaufelvolumen verfügen, muss während der Arbeit stets sichergestellt sein, dass die Maschine durch das zusätzliche Ladegewicht nicht instabil daher kommt. Neben Erfahrung ist auch hier der Einsatz von Hilfsmitteln angeraten: Liebherr hat beispielsweise den Truck Payload Assist entwickelt – ein Wiegesystem für Radlader, das als Kontrollwaage funktioniert und über eine dynamische Wiegebereichsanpassung verfügt, die automatisch und intelligent handelt. Die Wiegung erstreckt sich über einen großen Hubbereich, ohne dass eine spezielle Hubhöhe erreicht werden muss. Zudem werden die Wiegedaten übersichtlich am Display in der Fahrerkabine angezeigt, um dem Fahrer ein komfortables und effizientes Arbeiten zu ermöglichen. Zusätzlich kann der Fahrer am Display das gewünschte Ladegewicht eingeben. Der Assistent schlägt daraufhin das optimale Zielgewicht der einzelnen Schaufelfüllungen und die dafür notwendigen Ladezyklen für einen gleichmäßigen Beladungsvorgang vor. Das sorgt für eine zielgenaue, sichere, effiziente und maschinenschonende Beladung von Lkw, Dumper und Containern. Der Fahrer kann seine Arbeit somit konzentriert und unterbrechungsfrei ausführen, ohne zeitintensiv Rückwiegen zu müssen. Dadurch werden Zeit und Kosten gespart, ebenso erhöht dies deutlich die Produktivität von Fahrer und Maschine. Für einen noch effizienteren Maschinenbetrieb können die Wiegedaten auch über LiDAT ausgewertet werden.

Inbetriebnahme der Maschine

Eine weitere raffinierte Entwicklung stellt der Liebherr-Schlüssel mit Fernbedienung dar. Auf den ersten Blick wirkt das natürlich nicht sonderlich spektakulär – dahinter verbirgt sich jedoch ein wirkungsvoller Gedanke.

Der für die Liebherr-Radlader L 550 XPower – L 586 XPower optional verfügbare Schlüssel samt Fernbedienung mit Coming-Home/Leaving-Home-Funktion ermöglicht eine sichere und komfortable Inbetriebnahme der Maschine. Mit diesem lässt sich die Fahrertüre aus der Ferne ver- und entriegeln sowie automatisch öffnen. Außerdem aktivieren sich die seitlich angebrachten Arbeitsscheinwerfer, welche den Nahbereich der Maschine ausleuchten und ein sicheres und rasches Ein- und Aussteigen gewährleisten. Dies minimiert das Unfallrisiko und erhöht deutlich die Sicherheit, insbesondere bei Dunkelheit und Nachteinsätzen.


Auf den richtigen Reifendruck setzen

Last but not least hat Liebherr sich der Frage gewidmet, wie sich Radlader bei falschem Reifendruck oder genereller Reifenbeschädigung verhalten. Gerade dann, wenn tonnenschweres Material bewegt wird, sind zuverlässige Reifen samt -druck zwingend erforderlich. Und gleichzeitig hat das Ganze noch einen wirtschaftlichen Hintergrund: Die Reifen gehören zu den teuersten Verschleißteilen eines Radladers. Ein falscher Reifendruck führt zu erhöhtem Verschleiß sowie steigendem Kraftstoffverbrauch und verursacht hohe Kosten. Weitere negative Auswirkungen sind Einschränkungen in den Fahreigenschaften wie Standsicherheit, Traktion und Fahrkomfort. Daher ist es wichtig, mangelhaftem Reifendruck rechtzeitig entgegenzuwirken und mögliche Reifenschäden frühzeitig zu erkennen. Für diesen Zweck bietet Liebherr ein neues, integriertes Reifendruck-Überwachungssystem, das optional für die Liebherr-Radlader zur Verfügung steht. Mithilfe von Sensoren, die an den Reifenventilen angebracht und vor Beschädigung geschützt sind, erkennt das System frühzeitig etwaige Mängel beim Reifendruck und stellt diese am Display in der Fahrerkabine dar. Bei Abweichungen erhält der Fahrer automatische Warnhinweise auf dem Display. So kann der Betreiber bei mangelhaftem Druck oder Übertemperaturen rasch handeln und frühzeitig Gegenmaßnahmen ergreifen, um Sicherheitsrisiken oder hohe Folgekosten zu vermeiden.dc

DAS UNTERNEHMEN

Die Firmengruppe Liebherr umfasst 13 Produktsegmente, darunter Baumaschinen für Erdbewegung, Materialumschlag, Spezialtiefbau, Mining, Mobil- und Raupenkrane sowie Turmdrehkrane und Betontechnik. Im Jahr 2022 erzielte die Liebherr-Gruppe einen Umsatz von 12,5 Mrd. Euro, was eine Steigerung um 8,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Aktiv ist Liebherr unter anderem auch in der Entwicklung von digitalen Tools, um die Effizienz von Baumaschinen zu steigern und die Handhabung sowie die Sicherheit zu verbessern.

[111]
Socials