AZUBI Für alle, die hoch hinaus wollen

Die Ausbildungsmöglichkeiten im Handwerk sind extrem vielfältig und bieten jungen Menschen nicht nur tolle Berufe, sondern auch jede Menge Chancen für die Zukunft. Die bauSICHERHEIT möchte einige dieser Berufe in den kommenden Ausgaben vorstellen und jungen Menschen zeigen, welches Potenzial die Bauwirtschaft für eine solide Ausbildung hat. Diesmal geht es um einen Beruf, der Schwindelfreiheit und Teamgeist voraussetzt: den Gerüstbauer. Er wird auch oft »Held der Baustelle« genannt, denn er ist maßgeblich für die Sicherheit der Handwerker verantwortlich und ein Großteil der Baustellen wäre ohne ihn schlichtweg nicht möglich.

Lesedauer: min | Bildquelle: bauSICHERHEIT
Von: Christine Seif

Den Ausbildungsberuf des Gerüstbauers haben viele junge Menschen gar nicht auf dem Schirm. Einigen ist nicht bekannt, dass dies ein anerkannter Handwerksberuf ist; andere verbinden damit schwere Arbeit und gefährliche Tätigkeiten. Leider, denn der Gerüstbau bietet vielseitige Aufgaben und unterschiedliche Einsatzgebiete. Zudem ist er relativ krisen- und zukunftssicher – und es gibt zahlreiche offene Ausbildungsstellen dafür in Deutschland.

Ausbildungsdauer und Anforderungen

Die duale Ausbildung zum Gerüstbauer dauert in der Regel drei Jahre und erfolgt im Ausbildungsbetrieb und in der Berufsschule.

Voraussetzung für die Ausbildung ist für die meisten Betriebe ein Hauptschulabschluss. Doch nicht nur den sollte man für diesen Beruf mitbringen. Unbedingt nötig ist auch absolute Schwindelfreiheit, denn ein Großteil der Arbeiten findet in der Höhe statt, oft mit freier Sicht nach unten.  Auch Trittsicherheit, handwerkliches Geschick und eine gute körperliche Konstitution sind für diesen Beruf wesentlich. Mindestens genauso wichtig ist Teamfähigkeit, denn als Gerüstbauer funktioniert es nicht allein und man muss sich auf seine Kollegen verlassen können, so wie diese sich auf einen selbst verlassen. 

Vielseitiger Arbeitsalltag in den unterschiedlichsten Branchen

Die meisten kennen den klassischen Gerüstbau auf der Baustelle, doch es gibt noch weitaus mehr Bereiche, in denen ohne ein Gerüst nichts geht. Neben klassischen Baustellen zählen etwa der Brücken- und Tunnelbau zu den Einsatzgebieten. Auch Schiffsbaubetriebe benötigen Gerüste, und Reinigungsbetriebe müssen häufig Fenster in schwindelerregender Höhe reinigen – auch hierfür kommen Gerüste zum Einsatz. Nicht zu vergessen ist der Event-Bereich. Bei großen Veranstaltungen und aufwendigen Bühnenkonstruktionen finden Gerüstbauer dort ebenfalls Arbeit. 

Der Arbeitsalltag kann je nach Einsatzgebiet variieren. Auf der Baustelle gilt es als Gerüstbauer, erst einmal die Situation zu bewerten: Was wird gemacht, welches Gerüst ist erforderlich, wie ist der Untergrund beschaffen und welche Materialien brauche ich? Dann geht es an das fachgerechte Aufbauen der unterschiedlichen Gerüstkonstruktionen. Höchste Sorgfalt ist dabei unerlässlich, schließlich geht es hier um die Sicherheit aller Handwerker, die auf dem Gerüst arbeiten. Häufig müssen die Gerüste im Verlauf der Bauarbeiten an die Anforderungen angepasst werden. Nach erfolgreichem Abschluss der Arbeiten muss das Gerüst dann fachgerecht abgebaut, abtransportiert und bis zum nächsten Einsatz verstaut werden. Dabei fallen auch die Instandhaltungsarbeiten sowie Reparaturen in den Arbeitsbereich des Gerüstbauers.

Karriere, Weiterbildung und Aufstiegsmöglichkeiten

Nach bestandener Prüfung und abgeschlossener Lehre ist man offiziell Geselle, doch wer noch höher hinaus will, hat zahlreiche Möglichkeiten. Direkt nach der Ausbildung gibt es unterschiedliche fachliche oder betriebswirtschaftliche Fortbildungen sowie auch die Möglichkeit, seinen Meister zu machen. Eine nächste Weiterbildungsstufe wäre die zum Gerüstbau-Kolonnenführer. Wer sich eher auf das Management konzentrieren möchte, kann sich bis zum Betriebswirt fortbilden und mit diesem Abschluss in die Unternehmensführung einsteigen.


Einblicke in den Ausbildungsalltag: Ein Azubi berichtet

Wie sieht es in der Praxis wirklich aus? Wir haben mit Pascal Kala, Gerüstbauer im ersten Lehrjahr bei der Firma Eugen Wahner, über seine Ausbildung gesprochen. Er wollte schon immer einen handwerklichen Beruf erlernen, wie er uns verrät. Zudem mag er die Höhe und da lag eine Ausbildung zum Gerüstbauer auf der Hand. Und er bereut seine Entscheidung nicht. »Mir macht die Arbeit in der Höhe einfach Spaß und es ist toll, dass die Aufgaben so abwechslungsreich sind. Zudem habe ich super Kollegen. Wir arbeiten auf den Baustellen eng zusammen und diese Teamarbeit gefällt mir wahnsinnig gut«, erzählt der 17-Jährige. Doch auch mit den weniger positiven Aspekten möchte der Gerüstbauer-Azubi nicht hinterm Berg halten. »Ein Nachteil für mich ist die große Entfernung zur Berufsschule. Diese befindet sich in Groß-Gerau und somit rund 160 km von meinem Wohnort entfernt.« Auch sollte man sich bewusst sein, dass die Arbeit als Gerüstbauer manchmal anstrengend ist, erzählt uns Pascal. »Aber wenn man am Ende des Arbeitstages sieht, was man gemeinsam aufgebaut hat, macht das die Anstrengung wieder wett.«

Der Ausbildungsberuf des Gerüstbauers ist deutlich weniger bekannt als andere Handwerksberufe; hier sieht Pascal eine große Chance in den sozialen Medien: »Ich denke, man müsste dem Beruf mehr mediale Aufmerksamkeit geben. Ein interessantes TikTok-Video über den tatsächlichen Arbeitsalltag eines Gerüstbauers könnte beispielsweise das Interesse junger Menschen wecken, ein Praktikum zu machen und den Beruf näher kennenzulernen. Viele junge Menschen wissen wahrscheinlich gar nicht, wie abwechslungsreich die Ausbildung ist.«

Pascal Kala freut sich jedenfalls schon auf sein zweites Lehrjahr, das im Herbst startet, und hat auch jetzt schon Pläne für nach der Ausbildung:  »Natürlich möchte ich jetzt erst einmal meine Lehre erfolgreich abschließen. Danach werde ich dann entscheiden, ob ich mir zutraue, später noch den Meister zu machen. Die Weiterbildung zum Kolonnenführer möchte ich aber auf jeden Fall absolvieren, denn ich möchte mich nach meiner Ausbildung weiterentwickeln und später mehr Verantwortung übernehmen.«

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