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FISAT: Fisat-Technikseminar hat wichtige Akzente gesetzt

Arbeiten Offshore und Rettung an hoch gelegenen Arbeitsplätzen: Das 12. Fisat-Technikseminar befasste sich in Bremen mit diesen zwei Themenkomplexen, die für sich genommen schon ausreichend Potenzial für eine informative Veranstaltung bieten. Die Kombination der beiden stellt für Unternehmer, Beschäftigte und regulierende sowie gesetzgebende Stellen nach wie vor eine große Herausforderung dar. Grund genug, sich in Theorie und Praxis intensiv damit auseinanderzusetzen.

Ausrüster, Behörden, Ausbilder, Unfallversicherungsträger und nicht zuletzt Anwender von Seilzugangs- und Positionierungstechniken – die Halle des Pier 2 in Bremen füllte sich im Dezember 2019 schnell. »Der Rekord des Vorjahres wurde dabei mit rund 230 Teilnehmern und 17 Ausstellern erneut übertroffen«, so Eric Kuhn, Präsident des Fisat, bei der Begrüßung.

Während der ersten Praxisdemonstration wurde der gesamte Waterfront-Anleger zur Beobachtungsplattform, als sich zwei Höhenarbeiter ins Wasser abseilten und die Evakuierung einer Offshore-Windenergieanlage simulierten. Während die Rettungswesten der Verunglückten Luft zogen, wartete das Team des Fast Rescue Crafts in der Nähe auf sein Startzeichen. »Unser größtes Problem ist die Zeit. Die haben wir da draußen nicht«, sagt Thorsten Lieb, Ausbilder bei RelyOn Nutec Germany. Das liege gar nicht so sehr an der Gefahr des Auskühlens, sondern vielmehr daran, dass Menschen beim Sturz in die eisige See zur Überreaktion neigen. »Viele holen vor Schreck instinktiv Luft. Wenn sich der Kopf dabei unter Wasser befindet oder die Gischt durch schweren Wellengang permanent ins Gesicht spritzt, kann es schnell ganz kritisch werden«, unterstrich Knut Foppe von Ropemission, der die Demonstration zur Rettung aus dem nassen Element vom Trockenen aus kommentierte. Ein Seenotsignal wurde entzündet, oranger Rauch stieg auf. Das Team um Thorsten Lieb war schnell zur Stelle. Die beiden Verunglückten konnten dabei sicher ins Boot befördert werden.

Bremen als idealer Veranstaltungsort

Überhaupt war die Stimmung rund um den Veranstaltungsort gut und aus Sicht des Veranstalters zudem sehr vertraut. Man kenne sich in der Branche und für die meisten Teilnehmer sei es nicht der erste Besuch auf einem Fisat-Technikseminar. »Das Seminar gehört für uns zu den wichtigsten Veranstaltungen im Jahr, es ist einfach ein super Ort, um alle auf einem Haufen zu treffen. Ein idealer Ort, um zu netzwerken und seine Produkte vorzustellen«, sagte Ronja Brinkmann vom Ausrüster Petzl. Sascha Förster, Inhaber von Höhentechnik Förster Safetysolutions, ergänzte: »Es ist hier wirklich total familiär. Der Umgang ist sehr respektvoll, der Fisat gibt sich viel Mühe, immer super Locations zu finden und für eine schöne Atmosphäre zu sorgen.« Die gab es auch am Abend des ersten Seminartages in geselliger Atmosphäre, während eines kleinen Schiffstörns durch das Bremer Hafengebiet.

Wichtige Themen vorgestellt und diskutiert

Bei allem Wohlfühlfaktor kehrte während der Fachvorträge aber auch wieder schnell Ernst ein. Die Themen waren relevant, betrafen viele im Raum ganz persönlich: »Risikomanagement im Outdoor-Bereich«, »Wenn es zum Äußersten kommt – Unfalluntersuchungen strategisch, konsequent und objektiv durchführen« oder »Sicherheit und Gesundheitsschutz bei Errichtung und Betrieb von Offshore-Windparks« – nur drei von mehr als zehn Vorträgen, denen im Anschluss an die Präsentation Nachfragen und Diskussionen folgten.


So auch beim letztgenannten, den Sybille Schnegelsberg vom Staatlichen Gewerbeaufsichtsamt in Oldenburg hielt. Denn wie wichtig es in einer Offshore-Notsituation ist, dass ein Boot schon standardmäßig in der Nähe vorgehalten wird, zeigte sich bereits bei der Demonstration im Hafenbecken. Unter Realbedingungen käme es aber vor, dass vom Auftraggeber keins zur Verfügung gestellt wird, berichtet ein Teilnehmer aus dem Auditorium. Für Schnegelsberg ein absolutes No-Go: »Auftraggeber dürfen so etwas nicht und wir können ihnen das verbieten. Aber: Wir sind nicht da draußen. Wir brauchen Ihre Hinweise. Natürlich unter Wahrung der Anonymität.« Gerade im Offshore-Bereich scheint noch vieles besprochen, kontrolliert und festgezurrt werden zu müssen, scheinen – so weit vor der Küste – Theorie und Praxis manchmal auseinanderzuklaffen.

Rettungsabläufe in der Höhe gezeigt

Den Ausgangspunkt zur Praxisdemonstration des zweiten Seminartages bot ein hängendes Gerüst, das von Mitarbeitern der Rope Access Solutions GmbH extra in der Halle angebracht wurde. In rund sechs Metern Höhe war es befestigt, zwischen den stählernen Armen eines Ladekrans, der die gesamte Bühne des Pier 2 überspannte. Von dort seilten sich Anwender ab und simulierten einen Unfall. Welcher Rettungsansatz ist jetzt der beste? PSA-Rettung mit Rettungshubgerät, gegenseitige Kameradenrettung unter Verwendung von Seilzugangstechnik oder doch ein ganz anderer? Die Antworten lieferte wieder Knut Foppe von Ropemission, der die Übung kommentierte. Zusammen mit Dr. Rüdiger Franz, ärztlicher Leiter des ganzheitlichen medizinischen Versorgungskonzeptes WINDEAcare, wurden verschiedene Rettungsverfahren beleuchtet, Stärken und Schwächen aufgezeigt, notfallmedizinische Hintergründe geliefert und konkrete Handlungsempfehlungen gegeben.

Das Fazit der Teilnehmer fiel positiv aus: »Es war sehr interessant, auch mal einen Einblick zu kriegen in die Thematik Offshore – mit allem was dazugehört: Rettung, Vorbereitung, Nachbereitung. Auch mit vielleicht immer noch fehlenden Vorgaben, Lücken in der Gesetzeslage oder in Rettungskonzepten«, lobte Eric Ziegler, Ausbilder bei der Skylotec GmbH.

Was passiert hinter den Kulissen?

In den vergangenen Jahren habe sich das Fisat-Technikseminar laut eigener Angaben stets weiterentwickelt und sei mittlerweile zu einer anerkannten Fortbildungsveranstaltung im Bereich Sicherheit und Gesundheitsschutz an hoch gelegenen Arbeitsplätzen geworden. Der Planungsaufwand, so Fisat in einer offiziellen Mitteilung, steige mit den Erwartungshaltungen und auch mit dem eigenen Anspruch als Veranstalter. Es sei überdies jedes Jahr eine spannende Herausforderung, der man sich gerne stelle.

Ohne Unternehmen und Einzelpersonen, die sich in der Entstehung und Durchführung einer solchen Veranstaltung engagieren, sei das Technikseminar jedoch nicht möglich. Bedankt hatte sich der Fisat vor allem bei den Teilnehmern, Dozenten und Ausstellern. Für den Fisat stellt das Technikseminar eine Gelegenheit dar, die Branche als das darzustellen, was sie eigenen Angaben zufolge ist: verantwortungsbewusst, professionell und einem extrem hohen Sicherheitsstandard verpflichtet. Das nächste Mal wird man sich in Celle wiedersehen. Dort findet dann am 23. und 24. Oktober in der Congress Union Celle ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm statt, zu welchem sich Interessierte ab Ende März über die Website der Fisat anmelden können.   J

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