Der künftige Durchgangsbahnhof bildet das Herzstück von Stuttgart 2; gebaut werden u. a. 56 km Tunnelröhren und rund 100 km neue Gleise. Der Einsatzort stellte die Projektverantwortlichen vor Herausforderungen: So galt es, die Transportbühnen in den bereits bestehenden, runden Aufzugsschächten zu positionieren, in denen später die Personenaufzüge installiert werden. Die räumlichen Verhältnisse und die besonderen baulichen Anforderungen schlossen den Einsatz einer Standardbühne aus. Im Rahmen einer detaillierten Machbarkeitsstudie entwickelte Böcker daher für die Ed. Züblin AG, die Auftragnehmerin der Deutschen Bahn, zwei maßgeschneiderte Sonderanfertigungen auf Grundlage des »Super-Lift LX 4024«. Dieser zählt mit seiner Tragkraft von bis zu 4 t, einer Förderhöhe bis 250 m und individuell anpassbaren Plattformgrößen zu den vielseitigsten Zahnstangenaufzügen seiner Klasse. Die im Projekt »Stuttgart 21« eingesetzte Sonderanfertigung demonstriert, wie flexibel sich das modulare System an komplexe bauliche Situationen anpassen lässt.
Material- und Personentransport
Die entscheidende Anpassung betraf die Kabinengeometrie. Statt der üblichen Kabinenbreite von 2,90 m wurde für »Stuttgart 21« eine schmalere Kabine mit Innenmaßen von 1,40 m Breite und 2,90 m Tiefe entworfen. Diese Modifikation ermöglichte den Einbau in den runden Aufzugsschacht, ohne die Funktionalität einzuschränken. Dabei konnte der Grundrahmen einschließlich der kompletten Steuerungseinheit in der Unterfahrt integriert werden, während der Ausstieg bündig mit dem Bahnsteig abschließt. Jede der beiden Transportbühnen verfügt über eine hohe Tragfähigkeit von bis zu 4 t und ist sowohl für den Material- als auch den Personentransport zugelassen. Der Aufzug lässt sich wahlweise von den Ladestellen aus rufen oder direkt in der Kabine bedienen. Mit einer Förderhöhe von rund 10 m und zwei Haltestellen – am Verteilersteg und am Bahnsteig – gewährleisten die Anlagen eine kontinuierliche Versorgung der Bahnsteige während des Ausbaus.
Präzise Planung nötig
Besonderes Augenmerk galt auch der Montage der Aufzüge. Da das Bohren in die bestehende neue Betonstruktur nicht möglich war, erfolgte die Anbindung der Mastverankerung über den Stahlbau des Verteilerstegs. Auch der Aufbau selbst erforderte eine präzise Planung: Sämtliche Komponenten, Zubehör und ein Minikran wurden umweltfreundlich per Eisenbahnwaggon über die neuen Gleise in den Baustellenbereich transportiert. Der Minikran half anschließend bei der Montage der Transportbühnen. Seit Frühjahr 2025 sind beide Anlagen nun im Einsatz, um einen raschen Material- und Personentransport sicherzustellen. Die Aufzüge haben sich bereits in den ersten Monaten durch ihre Zuverlässigkeit und hohe Tragkraft bewährt. »Mit dieser Sonderlösung konnten wir eine auf die Anforderungen von ›Stuttgart 21‹ abgestimmte Transportlösung realisieren«, erklärt Patrick Zengerling, Leitung Zahnstangentechnik bei Böcker. »Die Flexibilität des ›Super-Lift LX 4024‹ und das Engagement unserer Projektplaner beweisen, dass sich die Böcker-Transportbühnen nicht nur durch Leistung, sondern auch durch maximale Anpassungsfähigkeit auszeichnen.«