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Würth: Arbeit in der Höhe - Was Profis beachten sollten

Das sichere Arbeiten in der Höhe setzt drei Dinge unweigerlich voraus: Professionalität, viel Erfahrung und ein höchstmöglichstes Maß an Sicherheit. Letzteres ist zwar gesetzlich vorgeschrieben, doch die Unfallstatistiken belegen, dass Unfälle bei der Höhenarbeit keine Seltenheit sind und im schlimmsten Fall tödliche Folgen haben. Umso wichtiger ist aus Sicht von Experten das konsequente Treffen von Vorkehrungen, um Absturzsicherheit zu betreiben, Arbeitsbereiche zu sichern und Personen bestmöglich mit Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) zu versorgen. Die Redaktion der bauSICHERHEIT hat sich mit den PSA-Spezialisten von Würth über dieses Thema unterhalten und hinterfragt, welche Sicherheitslösungen speziell für die Bauwirtschaft ratsam sind.

Von Dan Windhorst

Das Thema Absturzschutz erweist sich als breit gefächert – denn mit persönlicher Schutzausrüstung allein ist es nicht immer getan. Gerade im Bereich der Steigtechnik finden sich am Markt zahlreiche Lösungen, die ein sicheres Arbeiten in der Höhe möglich machen. Ein gutes Beispiel dafür sind Leitern und Tritte: Würth setzt hierbei auf ein breites Spektrum an Alu- und Holzleitern. Dabei besitzen die Aluausführungen eine vierfache Bördelung bzw. Verpressung der Holm-Sprossen-Verbindungen, um eine möglichst hohe Verwindungssteifigkeit und Stabilität zu erhalten.

Ziel ist es, dass der Anwender das Unternehmen Würth als kompetenten Ansprechpartner in Sachen Absturzsicherung hat und wir dabei sicherstellen, dass alle gesetzlichen Anforderungen vollumfänglich erfüllt werden.  Sebastian Hotz, Leiter Spezialvertrieb Arbeitssicherheit bei Würth

Bei näherer Betrachtung fällt außerdem eine spezielle Riffelung der einzelnen Stufen- und Sprossenprofile auf, die laut Würth einen sicheren Tritt ermöglichen sollen – selbst beim Betreten mit nassen oder verschmutzten Schuhen. Bei allen Alu-Stufen, so Würth, gelte Rutschfestigkeitsklasse R12 gemäß DIN 51130. Beim Einsatz von Leitern gilt darüber hinaus der Grundsatz: Erst ein fester Stand setzt das sichere Arbeiten voraus. Würth verwendet deshalb rutschfeste Gummifüße, um den Grad an Standsicherheit deutlich zu erhöhen. Bei Leitern allein bleibt es allerdings nicht: Würth entwickelt gleichzeitig Montageplattformen und -böcke sowie Klapp-Rollgerüste, einen mobilen Arbeitslift und spezielle Dachleitern. Komplettiert wird der Bereich durch Einhängepodeste, stationäre Plattformen und Nachrüststufen, die den Anforderungen der geltenden TRBS 2121 Teil 2 entsprechen. In diesem Zusammenhang weist Würth allerdings auch darauf hin, dass die Nutzung von professioneller Steigtechnik allein nicht ausreicht.

Um Leitern gefahrlos benutzen zu können, so das Unternehmen, brauche es regelmäßige Überprüfungen. Dazu ließe sich etwa das Betriebsmittelverwaltungstool »ORSYonline“ nutzen, um eine digitale Leiterprüfung realisieren zu können. Dadurch werde dem Anwender eine gesetzlich vorgeschriebene Prüfung möglich, die fachgerecht dokumentiert und nachgehalten werden könne. Dies ließe sich sogar auf der Baustelle mittels Smartphone durchführen. Zudem biete Würth in ausgewählten Niederlassungen den Prüfservice für Leitern vor Ort durch ausgebildete Fachberater an.


Der »Würth Tower«

Als Besonderheit in diesem Segment bezeichnet Würth zudem seinen erst kürzlich auf den Markt gebrachten »Würth Tower« sowie den »Tower plus«: Beide Systeme lassen sich von nur einer Person auf- und abbauen. Laut Hersteller eignet sich diese Lösung ideal für sicheres Arbeiten in der Höhe. Das Gerüst hat eine kompakte Größe und ist platzsparend, was sowohl den Transport als auch die Lagerung erleichtern kann. Als weitere Vorzüge nennt Würth den einfachen und effizienten Auf- sowie Abbau durch nur eine Person, die höhenverstellbaren Lenkrollen für einen problemlosen Niveauausgleich sowie die einfache und werkzeuglose Montage durch robuste Steckverbindungen. Gleichzeitig stellt Würth beim »Tower« den stufenlos teleskopierbaren Ausleger mit Schnellverschlüssen für eine schnelle Montage sowie einen sicheren Stand in den Mittelpunkt. Faserverstärkter Kunststoff für einen langlebigen und leichten Plattformbelag sowie ein faltbarer Alu-Bordbrettkranz für eine einfache Montage sollen laut Würth ebenfalls für den »Tower« sprechen.

PSAgA als Lebensretter

Zentrales Thema der Höhenarbeit bleibt allerdings die Verwendung von Persönlicher Schutzausrüstung gegen Absturz. Aus seiner langjährigen Erfahrung heraus weiß Würth, dass die Entwicklung solcher Lösungen ein Höchstmaß an Anwendernähe voraussetzt. »Die Erfahrungen aus der Praxis sind zum Beispiel bei Gurten gefragt, wenn es darum geht, die Gurte für verschiedene Arbeitsbereiche einzusetzen. Dachdecker haben schlichtweg anderes Werkzeug dabei als etwa Zimmerer oder Gerüstbauer«, so Sebastian Hotz, Leiter Spezialvertrieb Arbeitssicherheit bei Würth. »Weiterhin nutzen Anwender bei Dachaufstiegen mit Steigleitern mehr die vordere Öse als jene hinten am Gurt. Das gilt es beim Produktdesign zu berücksichtigen. Gleichzeitig gibt es unterschiedliche Gerüstarten. Wenn man mit einem Rückhaltesystem arbeitet, benötigt man ggf. eine Verlängerung des Y- bzw. des I-Verbindungsmittels. Wenn ein Anwender einen Absturz erleidet, dann hilft es einer leichteren Person, wenn der Falldämpfer früher auslöst, also bei niedrigerer Last/Krafteinwirkung als bei einem Gurt mit Falldämpfer mit Zulassung für 140 kg, statt bei einem Gurt mit Zulassung für Personen mit 100 kg«, so der Experte weiter.

Auf Basis dieser und ähnlicher Erfahrungswerte hat Würth in den vergangenen Jahren zahlreiche Lösungen auf den Weg gebracht, dazu zählen unter anderem Fallschutz-Sets, bestehend aus Auffangurten, Seilen, Auffangeräten und Sicherheitstraversen, die in unterschiedlichsten Arbeitsbereichen zum Einsatz kommen – etwa im Fensterbau oder dem Arbeiten mit Hubarbeitsbühnen. Ebenfalls im Sortiment vertreten sind Höhensicherungsgeräte, die für das Arbeiten in absturzgefährdeten Bereichen, beim Gerüstbau, bei Arbeitsbühnen oder Tätigkeiten mit häufig wechselnden Arbeitspositionen Anwendung finden. Last but not least hat Würth außerdem Verbindungsmittel mit Bandfalldämpfer, viele Zubehörteile, Anschlagpunkte sowie Aufbewahrungsmöglichkeiten für PSAgA im Programm.

»Elastico« Auffanggurt

Ein aktuelles Highlight im Sortiment ist laut Würth derzeit der Auffanggurt »Elastico W101«. »Ziel der Entwicklung war es, maximale Bewegungsfreiheit mit hohem Tragekomfort zu kombinieren. Der neue Auffanggurt erfüllt höchste ergonomische Ansprüche durch die Verwendung von elastischem Gurtmaterial im Schulter- sowie Rückenbereich«, sagt Edwin Linger, Produktmanagement bei Würth. »Gleichzeitig ermöglichen seitliche Werkzeugschlaufen einen guten Zugang zu Werkzeug – gewohnte Bewegungs- und Arbeitsabläufe werden dadurch nicht gestört.«

Rat von Experten

Etwas, das auch für dieses Segment laut Sebastian Hotz von großer Wichtigkeit ist, bleiben die Kontrolle und die Dokumentation von verwendeten Sicherheitslösungen. Jährlich vorgeschriebene Prüfungen sollen sicherstellen, dass alle Bestandteile einer PSAgA durch einen Sachkundigen inklusive lückenloser Dokumentation erfolgen. Auch hier möchte Würth mit seinen Dienstleistungen nützliche Unterstützung bieten. »Ziel ist es, dass der Anwender das Unternehmen Würth als kompetenten Ansprechpartner in Sachen Absturzsicherung hat und wir dabei sicherstellen, dass alle gesetzlichen Anforderungen vollumfänglich erfüllt werden«, so Sebastian Hotz. Und dieser eine Ansprechpartner macht Sinn: Jede PSAgA muss exakt auf die individuellen Arbeitsbedingungen abgestimmt sein. So sind bei Arbeiten auf Steil- und Flachdächern zum Beispiel temporäre Horizontalsicherungssysteme oder Absturzsicherungen, bestehend aus Anschlagpunkt, Verbindungsmittel und Auffanggurt, zwingend erforderlich.

Bei Tätigkeiten an der Fassade oder Wand hingegen haben Gerüste oder Hubwagen Vorrang. Die Anwendungsbreite ist enorm, weshalb damit auch eine gewaltige Produktvielfalt einhergeht. Laut Würth ist PSAgA nicht zuletzt deshalb besonders beratungsintensiv. »Um Fehlentscheidungen oder die unsachgemäße Verwendung von PSAgA zu vermeiden, sollten Anwender auf den Rat von Experten vertrauen und sich individuell durch unsere Fachkräfte für Arbeitssicherheit (ausgebildete SiFas) beraten lassen«, ergänzt Sebastian Hotz.

Absturzsicherung

Der Grund dafür, warum PSAgA so viel Aufmerksamkeit durch Berufsgenossenschaften, Medien sowie Prüf- und Sicherheitsexperten erhält, ist schnell erklärt: Anders als Einzelpersonen auf dem Bau, wird mit Blick auf Unfallstatistiken ein klares Gesamtbild deutlich. Häufige Gespräche mit geschädigten Personen machen zudem schnell deutlich, welche Tragweite dieses Thema hat. Auch die bauSICHERHEIT wird regelmäßig mit der Tatsache konfrontiert, dass Unfälle auf Baustellen leider immer noch alltäglich sind. Laut der Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG Bau) gelten Abstürze auch heute noch als die häufigste Ursache von tödlichen Arbeitsunfällen.

Und was viele nicht bedenken: Fast 50 Prozent dieser tödlichen Abstürze passieren aus weniger als fünf Metern Höhe. Gerade deshalb nehmen Hersteller wie Würth einen besonderen Stellenwert ein. Sie sind direkter Vermittler, nah am Endkunden und wissen von eben diesen Gefahren. Sichere Produkte zu entwickeln und zu verkaufen ist das eine – sich Gedanken über den Tellerrand hinaus zu machen ist hingegen etwas vollkommen anderes. Würth rät seinen Anwendern beispielsweise, es nicht allein bei der Beschaffung von PSAgA zu belassen: »Neben der richtigen Verwendung von PSAgA sollten Anwender auch auf die sachgemäße Lagerung, die regelmäßige Überprüfung sowie die vorgeschriebene Gebrauchsdauer achten«, so Produktmanager Edwin Linger. »Grundsätzlich«, so der Experte weiter, »sollte PSAgA in trockenen, nicht zu warmen Räumen aufbewahrt und vor direkter Lichteinwirkung sowie UV-Strahlung geschützt werden.«

Die Gebrauchsdauer

Darüber hinaus mahnt Würth zur regelmäßigen Sicht- und Funktionskontrolle und Berücksichtigung der Gebrauchsdauer. Hier gilt der Grundsatz der DGUV-Regelung 112-198: Auffanggurte sowie Verbindungsmittel sollten nach acht Jahren der Benutzung entsorgt werden. Bei Teilen aus textilen Seilen, wie mitlaufende Auffanggeräte und Verbindungsmittel, ist die Entsorgung wiederum nach spätestens zehn Jahren notwendig. Grundsätzlich gilt allerdings, dass jede PSAgA unterschiedlicher Beanspruchung ausgesetzt ist, weshalb die individuelle Überprüfung zwingend erforderlich ist. Außerdem gilt, dass Komponenten aus textilen Stoffen maximal für eine Dauer von zwei Jahren gelagert werden dürfen – vorausgesetzt, dies geschieht fachgerecht. Ansonsten, so die DGUV, ließen sich keine möglichen Defekte, Überalterung oder Materialermüdung ausschließen.

Um wirklich sicherzugehen, empfiehlt sich laut Würth immer ein Blick auf das Typenschild: Dort, so der Hersteller, befinde sich stets ein Hinweis auf das jeweilige Baujahr, wodurch der Anwender die jeweiligen Fristen leicht ausrechnen könne. Allerdings, und dies gilt es hierbei ebenfalls zu beachten, kann zwischen Herstellung und tatsächlichem Ersteinsatz von PSAgA mitunter viel Zeit vergehen, sodass als Stichtag für die Berechnung der Ablegereife das Datum auf dem Lieferschein maßgebend ist. Aus diesem Grund, so Würth, sollte das Lieferscheindatum in der Kontrollkarte des jeweiligen Produkts protokolliert werden. Diese Datumsangabe sei überdies auch Grundlage für die gesetzlich vorgeschriebene jährliche Sachkundigenprüfung. Darüber hinaus raten Experten dazu, PSAgA nur über vertrauenswürdige Quellen zu beziehen, um Sicherheitsrisiken durch mögliche Produktpiraterie oder die Verwendung mangelhafter Materialien auszuschließen.   dc

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