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Würth MODYF: Workwear im Wandel - Was moderne Arbeitskleidung alles können muss

Das Handwerk ist von großer Tradition, rauen Arbeitsbedingungen und schweißtreibender Arbeit geprägt. Auf der Baustelle ist daher wenig Platz für Eitelkeiten. Oder anders gesagt: Mit „Schickimicki“ sollte man auf dem Bau lieber vorsichtig sein. Wer deswegen aber glaubt, dass Handwerker nicht modebewusst seien, der irrt gewaltig. Gerade im Bereich Workwear verstärkt sich in den vergangenen Jahren der Trend hin zu stylischer Arbeitskleidung. Natürlich muss Workwear auch heute noch in erster Linie strapazierfähig, robust und langlebig sein, aber Aspekte wie Design und Außenwirkung gewinnen mehr und mehr an Bedeutung. Als Experte für professionelle Arbeitskleidung hat das Unternehmen Würth Modyf diese Entwicklung mitgestaltet. Im Gespräch mit bauSICHERHEIT-Chefredakteur Dan Windhorst verraten die Geschäftsführer Claudio Corrias und Melanie Röger sowie Produktmanagerin Tanja Löb, welche Anforderungen die Bauindustrie stellt, welche neuen Produkte auf den Weg gebracht wurden und wie neue Workwear-Ideen realisiert werden. Zudem sprechen die Geschäftsführer über die aktuelle Covid-19-Situation und darüber, worauf Würth Modyf aktuell sowie im kommenden Jahr seinen Fokus legt.

Von Dan Windhorst

bauSICHERHEIT: Zwischen Staub, Beton und tonnenschweren Baumaschinen gilt für professionelle Arbeitskleidung vor allem eines – sie muss hart im Nehmen sein. Und dieser Tradition bleiben Hersteller wie Würth Modyf auch treu, indem sie Langlebigkeit und Robustheit in den Mittelpunkt stellen. Seit einigen Jahren haben sich die Spielregeln allerdings geändert: Auch auf dem Bau nehmen hoher Tragekomfort und ein stylisches Design eine immer stärkere Rolle ein. Wie nimmt Würth MODYF diesen Trend wahr?

Claudio Corrias: Wir haben unsere Produkte den Bedürfnissen und Wünschen unserer Kunden entsprechend kreiert. Das Produktportfolio von Würth Modyf bedient unterschiedlichste Gewerke und bietet speziell für die Bau- und Industriebranche sehr robuste und strapazierfähige Arbeitskleidung aus der Nature und Cetus Kollektion. Das Verlangen nach einem zeitlosen Design und einer hochwertigen Materialzusammensetzung wird immer spürbarer. Aus diesem Grund führen wir Trendanalysen durch, um die zukunftsorientierten Tendenzen zu fokussieren. Die Handwerker von heute sind überaus modeaffin und möchten durch ihre Arbeitskleidung nicht nur bestens geschützt werden, sondern kompetent und modern auftreten. Hierzu möchten wir einen weiteren Aspekt einbringen. Nicht nur das Design und das Material werden sich weiterentwickeln, sondern auch die technischen Eigenschaften, Schlagwort Smart Workwear.

bauSICHERHEIT: Die Entwicklung einer neuer Workwear-Kollektion ist mit einem gewaltigen Aufwand verbunden. Vom ersten Entwurf bis zur Marktreife ist es ein langer Weg. Können Sie unseren Lesern einmal erklären, was genau alles hinter der Entwicklung neuer Arbeitskleidung steckt?

Tanja Löb: Die Entwicklung einer Kollektion lässt sich in sechs Phasen unterteilen und beginnt immer mit einer Trendrecherche, wie z. B. was in den Stores gerade angesagt ist, und natürlich auch der Betrachtung der aktuellen Kunden- sowie Marktanforderungen. Daraufhin folgen in Phase zwei die detaillierten Überlegungen zu den Anforderungen an das neue Produkt bzw. die neue Kollektion. Auch die nachhaltigen Aspekte können hier schon mitbedacht werden, wie zum Beispiel der »Zero Waste«-Gedanke oder eine recyclingorientierte Strategie für das Produkt. In der nächsten Phase geht es um die Produktentwicklung. Diese ist besonders zeitintensiv und umfasst die Lieferanten- und Produzentenauswahl, die Materialauswahl und das Fitting sowie das Bewerten der ersten Prototypen. Hier fließen Nachhaltigkeitskriterien von der Materialauswahl bis hin zu der Betrachtung der sozialen und ökologischen Aspekte der Produzenten mit ein. In Phase vier erfolgt die Bemusterung. Wie ist die Optik, wie die Haptik der Musterteile? Sind Passform und  Qualität in Ordnung? Weitere Musterteile (PreProduction Samples) werden produziert, kontrolliert und freigegeben durch unsere QS und Technik. Prüfberichte und Zertifikate werden erstellt und letztendlich erfolgt die Produktionsfreigabe. Mit dem Beginn der Produktion sind wir dann in Phase fünf. Am Ende, in Phase sechs, erfolgt dann natürlich die Markteinführung.

bauSICHERHEIT: Wer auf dem Bau arbeitet, weiß genau, was Workwear alles können muss: Fließen die Erfahrungswerte Ihrer Kunden in die Entwicklungsarbeit mit ein? Oder anders gefragt: Wie praxis- bzw. anwendernah entwickelt Würth Modyf?


Melanie Röger: Um großartige Produkte zu entwickeln, müssen wir die Anliegen der Träger verstehen. Unser Bestandskunden-Pool bietet uns die Möglichkeit, Tragetests auf Großbaustellen, in Werkstätten und in anderen Einsatzgebieten durchzuführen. So haben wir die beste Möglichkeit, individuelle Optimierungsmaßnahmen an unseren Produkten vorzunehmen. Sehr freut uns, dass wir vermehrt Feedback aus der Würth Modyf Community via Social Media erhalten. Natürlich werden alle Anregungen an unsere Produktabteilung weitergeleitet und nach Möglichkeit umgesetzt.

bauSICHERHEIT: Mit der neuen »Stretch Evolution«-Kollektion setzt Würth Modyf auf mehr Bewegungsfreiheit und Komfort für den Träger. Wie wichtig ist das vor allem für Anwender aus der Baubranche?

Claudio Corrias: Gerade in der Baubranche ist der optimale Tragekomfort in Verbindung mit viel Bewegungsfreiheit für den Anwender ein sehr wichtiger Aspekt. Die Handwerker sind auf einer Baustelle von früh morgens bis spät abends auf den Beinen, oftmals mehr als zehn Stunden pro Tag. Da möchte man natürlich auf komfortable – und dennoch schützende – Workwear keinesfalls verzichten müssen. Bei den verschiedensten Tätigkeiten auf einer Baustelle kommt es dann ebenso auf die Bewegungsfreiheit an: Laufen, Bücken, Strecken – viele Bewegungen über den ganzen Tag hinweg, da muss die Arbeitskleidung schon auch Flexibilität aufweisen. Die neue Kollektion »Stretch Evolution« bietet dank des verarbeiteten 4-Wege-Stretches genau diese Eigenschaften. Auch wenn sie dabei besonders abriebfest ist, eignet sie sich für die Arbeit auf einer Baustelle doch eher im Sommer. Wir würden für die kältere Jahreszeit daher unsere robuste Kollektion »Nature« oder unsere Kollektion »Stretch X« empfehlen, die ebenso besonders bequeme Trageeigenschaften aufweist und zusätzlich spezielle Kleidungsstücke für den Winter beinhaltet.

bauSICHERHEIT: Neben klassischer Arbeitskleidung, die von Shirts über Hosen bis hin zu Jacken und Westen reicht, bietet Würth Modyf auch spezielle Sicherheitslösungen in den Bereichen Schnitt-, Warn- und Wetterschutz: Welche Produkte sind da in der Baubranche besonders gefragt?

Melanie Röger: Besonders gefragt ist in der Baubranche tatsächlich auch vor allem hochsichtbare Warnschutzkleidung wie unsere Kollektion »Neon«, die nach EN 20471 zertifiziert ist. Wir bieten mit dieser Kollektion einen Rundumschutz von Kopf bis Fuß – von (Latz-)Hosen, Winterhosen, Westen und Bundjacken über Langarmshirts sowie T-Shirts, Poloshirts und Shorts für den Sommer, aber auch gefütterte Parkas für den Winter. Besonders freut es uns, dass wir Anfang nächsten Jahres auch für Damen das Neon-Sortiment erweitern können. Zur schon vorhandenen Damen-Softshelljacke werden eine Damen-Bundhose sowie ein Damen-Parka (jeweils in orange und gelb) hinzukommen. Übrigens ist die komplette Neon-Linie mit dem „German Design Award 2019“ ausgezeichnet worden – somit in zweifacher Hinsicht eine ausgezeichnete Kollektion. Den Schnittschutzbereich haben wir in diesem Jahr ebenfalls mit neuen Artikeln aufgestockt. Obwohl die Bereiche, in denen Schnittschutz getragen wird, eher saisonal verkauft werden, ist hier die Nachfrage dennoch gestiegen. Im Bereich Wetterschutz bieten wir für die Baubranche vor allem wasserdichte oder gefütterte Parkas und Blousons an, die sich bestens bei nassem und kaltem Wetter eignen. Aber auch zum darunter Anziehen gibt es eine breite Palette an Fleecejacken, Pullovern oder auch Thermo-Unterwäsche.

bauSICHERHEIT: Sicherheitsschuhe sind bei Ihnen ebenfalls ein großes Thema. So wurde kürzlich beispielsweise die neue Serie »Daily Race« vorgestellt. Was hat es damit auf sich und welche Modelle der Serie eignen sich besonders gut für den Einsatz im Baustellen-Alltag?

Claudio Corrias: Momentan gibt es den »Daily Race« nur mit der Sicherheitsklasse S1P, eventuell wird er in der Zukunft auch als S3-Sicherheitsschuh entwickelt werden können. S1P-Schuhe eignen sich leider weniger für Baustellen im Freien, da sie im Gegensatz zu einem S3-Schuh meist kein wasserabweisendes Obermaterial aufweisen und sich somit am besten in trockenen Innenräumen tragen lassen. Nichtsdestotrotz ist der »Daily Race« ein richtiges Masterpiece, auf das wir besonders stolz sind. Denn nicht nur die sportliche Sneakers-Optik ist hervorragend gelungen, sondern auch das Sohlen-Design ist etwas ganz Besonderes. Dieses ist in unterschiedliche Biegezonen unterteilt und bietet ein 360-Grad Flexibilitätskonzept, das den Fuß beim Stehen und Gehen unterstützt. So verteilt sich das Gewicht des Trägers gleichmäßig über die Sohle, wird dabei in alle Richtungen abgefedert und ermöglicht ein angenehmeres Abrollen des Fußes.

bauSICHERHEIT: Die Covid-19-Pandemie hat 2020 gesellschaftlich und wirtschaftlich große Auswirkungen. Viele Branchen stehen derzeit unter enormem Druck. Wie hat Würth Modyf dieses Jahr bisher erlebt und welche Maßnahmen hat das Unternehmen getroffen, um sich zu schützen?

Melanie Röger: Covid-19 ist natürlich auch an uns nicht spurlos vorbeigegangen. Zu Beginn der Krise hat uns der Lockdown spürbar getroffen, Anfragen und Bestellungen gingen enorm zurück. Die zu treffenden Maßnahmen (z. B. Kurzarbeit, 100 % Homeoffice) waren nicht einfach, aber unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben mit großer Solidarität und Verständnis auf jede diese Maßnahmen reagiert. Unser oberstes Ziel war es, niemanden aufgrund der aktuellen Situation zu entlassen – und das haben wir geschafft. Um die Gesundheit zu schützen, haben wir gleich zu Beginn der Pandemie reagiert und in der Verwaltung ermöglicht, im Homeoffice zu arbeiten. Auch die Ausstattung mit der nötigen Technik jedes Einzelnen war eine riesige Herausforderung, die gemeistert wurde.  Die Gesundheit aller Mitarbeiter ist immer noch das Wichtigste. Daher haben wir zum Beispiel eine Maskenpflicht sowie eine maximale Besetzung pro Abteilung von 30 Prozent eingeführt. Jede Abteilung hat den Fokus ausschließlich nach vorne gerichtet und sich mit sehr viel Kreativität, Motivation, aber vor allem Optimismus mit der Zeit während und nach Corona auseinandergesetzt und beschäftigt. Dank der hohen Flexibilität und des unermüdlichen Einsatzes aller Mitarbeiter ging es im Mai bereits schon leicht bergauf und wir konnten im Juni mit einem, den Umständen entsprechenden, sehr guten Monatsergebnis abschließen. Auch wenn der „heiße Herbst“ – das sind für uns die wichtigsten Monate – positiv verlaufen ist, werden wir, wie viele andere Unternehmen auch, unsere gesteckten Ziele nicht erreichen.

bauSICHERHEIT: Zum Schluss ein, zugegeben, gewagter Blick in die Glaskugel: Können Sie für das kommende Geschäftsjahr bereits eine Prognose abgeben? Welche Ziele hat sich Würth Modyf für 2021 gesteckt?

Claudio Corrias: Wir wollen unsere Erfolgsstory aus den Vorjahren weiterschreiben. Im Jahr 2021 werden wir intensiv an dem Thema Nachhaltigkeit und Digitalisierung arbeiten, um auch für die nächsten Jahre Masterpieces kreieren zu können. Ebenfalls freuen wir uns auf die A+A, die sicherlich wieder ein Highlight in unserem Kalender sein wird.    J

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