Woolpower AB »Made in Sweden«: Funktionskleidung aus Merinowolle

Lesedauer: min | Bildquelle: Woolpower
Von: Jessy von Berg

Wer in den Wintermonaten bei teils eisigen Temperaturen unter freiem Himmel arbeiten muss, weiß, dass die richtige Kleidung ein entscheidender Faktor ist, um warm zu bleiben. Funktionale Arbeitskleidung reduziert so nicht nur gesundheitsbedingte Ausfälle, sondern erhöht auch die Sicherheit und sorgt für mehr Komfort im Handwerk, auf dem Bau und in kommunalen Betrieben. Dabei gilt es jedoch, nicht nur das »Darüber« zu berücksichtigen – auch das »Darunter« leistet einen entscheidenden Beitrag zur Temperaturregulierung, Atmungsaktivität und letztlich zum Tragekomfort. Ein Unternehmen, das sich ganz dem »Darunter« verschrieben hat, ist Woolpower, das im schwedischen Östersund Funktionstextilien aus Merinowolle fertigt.

Woolpower wurde 1969 von Gabriel Brånby, dem Vater der heutigen Inhaber Adam und Daniel Brånby, in Östersund als Produktionseinheit und Subunternehmer des schwedischen Genossenschaftsverbandes gegründet, damals noch unter dem Namen Vinetta. Die zu Spitzenzeiten mehr als 530 Mitarbeiter produzierten hauptsächlich Nylonstrumpfhosen. Anfang der 70er Jahre entwickelte das Unternehmen in Zusammenarbeit mit den schwedischen Streitkräften das Material »Ullfrotté Original«. Das Ziel war insbesondere die Fertigung von warmer, strapazierfähiger und gleichzeitig pflegeleichter Funktionsunterwäsche. Die ersten Kleidungsstücke von Ullfrotté wurden erstmals 1972 hergestellt.

Heute produziert Woolpower unter dem Claim »Responsibly made in Sweden« noch immer in Östersund. Im Fokus stehen Unterwäsche und Verstärkungskleidung aus Merinowolle – und damit auch der Nachhaltigkeitsfaktor, denn das Unternehmen ist überzeugt, dass eine nachhaltige Bekleidungsproduktion nur möglich ist, wenn möglichst langlebige Produkte hergestellt werden. Daher legt Woolpower einen großen Wert auf qualitativ hochwertige Stücke. Auch beim Thema Innovation dreht sich alles darum, die Qualität noch zu steigern, um eine längere Lebensdauer gewährleisten zu können. Alle Produkte werden daher einer Qualitätskontrolle in mehreren Stufen unterzogen: Die Bediener der Strickmaschinen behalten den Prozess im Auge. Eine weitere Kontrolle erfolgt bei der Vorbereitung des Materials zum Ausstanzen der Teile. Abschließend nehmen die Näherinnen die fertigen Kleidungsstücke noch einmal unter die Lupe.

Übrigens: Woolpower spendet Produkte für wohltätige Zwecke, wenn ein fertiges Kleidungsstück aufgrund von Mängeln nicht verkauft werden kann, aber dennoch seine Funktion behält. So entstehen nur sehr wenige bis keine Textilabfälle. Das Textimaterial, das beim Ausstanzen der Stücke übrigbleibt, wird auseinandergerissen und anschließend zu einem Material zusammengefilzt, das bei Woolpower beispielsweise zu Sitzpolstern, warmen Sohlen und Hausschuhen weiterverarbeitet wird.

Die Vorzüge von Merinowolle

Bei Merinowolle handelt es sich um eine besondere Form der Schurwolle. Sie stammt vom Merinoschaf, das vor allem in Neuseeland, Australien, Argentinien und Südafrika beheimatet ist. Merinowolle zeichnet sich durch ihre hohe Feinheit aus: Mit einem Durchmesser von oft weniger als 19 µm ist sie deutlich feiner als herkömmliche Schurwolle und kann daher direkt auf der Haut getragen werden, ohne zu kratzen. Diese Eigenschaften machen sie ideal für Kleidungsstücke wie z.B. Unterwäsche, Shirts oder Socken. Doch auch auf molekularer Ebene bringt die Merinowolle besondere Eigenschaften mit: Sie besteht zu fast 100 Prozent aus Keratin, einem natürlichen Protein, das u.a. in der menschlichen Haut vorkommt. Die Faser ist spiralförmig aufgebaut, was ihr die hohe Elastizität und Formbeständigkeit verleiht. Zudem entstehen zwischen den Fasern winzige Luftkammern, die isolierende Eigenschaften haben. Daher eignet sich die von Natur aus antibakterielle Merinowolle sowohl für die Winter- als auch die Sommermonate, da sie im Vergleich zu synthetischen Stoffen aktiv auf Veränderungen der Körpertemperatur reagiert: Sie hält warm, wenn es kalt ist und kühlt, wenn es warm ist. Ebenso zählt Merinowolle zu den atmungsaktivsten Fasern – sie kann große Mengen an Flüssigkeiten absorbieren und diese in kurzer Zeit wieder abgeben, sodass kein klammes Hautgefühl entsteht. Darüber hinaus sorgen ihre natürlichen Eigenschaften für eine starke Feuerbeständigkeit: Während beispielsweise Baumwolle bereits bei 255 °C Feuer fängt, entzündet sich Merinowolle erst bei ca. 590 °C. 

Ein Blick hinter die Kulissen

Für die Produktion benötigt Woolpower jedes Jahr etwa 300 t Merinowolle. Diese wird in Europa gefärbt und gesponnen, bevor sie als fertiges Garn an die Fabrik in Östersund geliefert wird. Im ersten Schritt wird das Garn dann in eigens angefertigten Strickmaschinen zum Material »Ullfrotté Original« verarbeitet. Hierfür verwendet Woolpower eine spezielle Strickmethode, die entwickelt wurde, um die natürlichen Eigenschaften der Wolle zu erhöhen und ein möglichst funktionelles Kleidungsstück zu erhalten. Damit das Garn in den Maschinen besser laufen kann, muss eine höhere Luftfeuchtigkeit sichergestellt werden: Durch die Zugabe von Wasserdampf wird eine Luftfeuchtigkeit zwischen 53 und 60 Prozent erreicht, sodass eine statische Aufladung während des Strickprozesses verhindert wird. Techniker und Maschinenbediener behalten die Produktion dabei stets im Blick, um eventuelle Störungen schnell beheben zu können. Um zu verhindern, dass die Kleidung später beim Waschen einläuft, werden die Strickwaren in der Fabrik bei 60 °C mit klarem Wasser gewaschen. Dabei schrumpft das Material um etwa 20 bis 22 Prozent, wird aber gleichzeitig stabiler, biegsamer und weicher und lässt sich so besser verarbeiten. Nach dem Trocknen wird der Stoff mit Hilfe von Hitze und Dampf auf Metallformen in den Formmaschinen geformt.

Woolpower verfügt über insgesamt neun Nählinien. Die Näherinnen sind in Teams eingeteilt, die mit unterschiedlichen Produkten arbeiten, d.h. einige fertigen Jacken und Westen, während andere für Zip Turtlenecks und Long Johns zuständig sind. Die nähende Person bewegt sich im Fertigungsprozess von Maschine zu Maschine und fungiert als ihre eigene Qualitätsprüferin. Durch die so entstehende Abwechslung will das Unternehmen für eine bessere Arbeitsumgebung sorgen. Gleichzeitig bedeutet es auch, dass das gesamte Kleidungsstück von der ersten bis zur letzten Naht von derselben Näherin gefertigt wird. Verdeutlicht wird dies auch durch das eingenähte Namensschild.


In der Praxis bewährt

Im Portfolio von Woolpower findet sich eine große Bandbreite an Produkten, die sich sowohl im beruflichen als auch im privaten Umfeld nutzen lassen. Ein Beispiel ist der »Zip Turtleneck 400«: Das Kleidungsstück ist als Basisschicht für den hautnahen Einsatz konzipiert und unterstützt den Feuchtigkeitstransport vom Körper weg. Die verwendete Frottee-Gewirkstruktur kombiniert Elastizität mit funktionalen Isolationseigenschaften. Durch die rundgestrickte Herstellung kommt das langärmelige Modell ohne längs verlaufende Nähte aus, was den Tragekomfort erhöht und die Materialbeanspruchung reduziert. Der hoch angesetzte Kragen bietet zusätzlichen Schutz bei niedrigen Temperaturen und kann bei Bedarf über einen Reißverschluss zur Belüftung geöffnet werden. Ein verlängerter Rückenbereich trägt dazu bei, Wärmeverluste im Lendenbereich zu vermeiden. Die Ärmelabschlüsse sind direkt eingestrickt und sorgen für einen formstabilen Sitz. Ebenfalls im Arbeitsschutz bewährt haben sich die »Long Johns with Fly 200«: Die lange Unterhose ist als funktionale Basisschicht für den direkten Hautkontakt konzipiert und unterstützt den Abtransport von Feuchtigkeit. Das eingesetzte Frotteegewirk bietet eine Kombination aus Elastizität und isolierender Wirkung. Die rundgestrickte Konstruktion ohne längs verlaufende Nähte trägt zur Reduzierung von Druck- und Reibungspunkten bei. Ein im hinteren Bereich integrierter Zwickel sowie ein frontseitiger Eingriff erhöhen die Bewegungsfreiheit und den Tragekomfort. Eingestrickte Beinabschlüsse sorgen für einen stabilen Sitz ohne zusätzliche Nahtstellen.

Ein Faktor, der für den Komfort in der nasskalten Jahreszeit auf keinen Fall ignoriert werden sollte, sind die passenden Socken. Auch hier findet sich eine Lösung im Portfolio von Woolpower: Die »Socks Logo 400« sind auf Wärmeisolierung und Feuchtigkeitsmanagement ausgelegt. Auch bei Nässe bleibt die wärmeerhaltende Funktion erhalten, während entstehende Feuchtigkeit aufgenommen und von der Haut weggeleitet wird. Der Fußbereich ist in Frotteestrick gearbeitet und unterstützt sowohl die Polsterung als auch die Isolation. Ein gerippt gestrickter Schaft sorgt für einen formstabilen Sitz. Das Herstellerlogo ist direkt in den Schaft eingestrickt und kommt ohne zusätzliche Applikationen aus.jvb 

[272]
Socials