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SpanSet: Bei falscher Anwendung nutzt auch die beste PSA nichts

Die Berufsgenossenschaft Bau und SpanSet haben es gegen alle Vernunft so richtig falsch gemacht. In filmisch dokumentierten Falltests haben sie die Gewichte, Torsos und Dummys so gesichert, wie man es unter keinen Umständen tun darf. Die Ergebnisse bestätigen das, was Experten immer wieder predigen: Die beste Persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) nutzt nichts, wenn man bei der Anwendung Fehler macht. Manche Versuche wären für Menschen höchstwahrscheinlich tödlich ausgegangen. Die Filme hat SpanSet auf YouTube hochgeladen.

Den Sicherheitsgurt im Auto legt sich niemand um den Hals. Denn ein scharfes Bremsmanöver könnte übel ausgehen. Bei der Höhensicherung fehlt hingegen oft die Einsicht, dass das Equipment nach sachgerechter Handhabung verlangt. »Es gibt etliche Fälle von falscher Anwendung, bei denen die Grenze zum Leichtsinn weit überschritten wird«, sagt Jörg Scheilen, Anwendungstechniker und Bereichsleiter Höhensicherungstechnik bei SpanSet. Ob die Menschen unwissend, unbekümmert oder einfach nur lebensmüde sind, sei dahingestellt.

Irgendwann wird es tödlich

In Fachschulungen warnt Scheilen die Teilnehmer vor den Gefahren von Fehlanwendungen. Um seine Aussagen zu bekräftigen, sind SpanSet und die BG Bau einen Schritt weiter gegangen. Sie haben den nach Scheilens Worten alltäglichen Wahnsinn getestet und die haarsträubenden Ergebnisse filmisch dokumentiert.

Zum Beispiel der Versuch ohne Falldämpfer. 100 kg sausen 50 cm in die Tiefe. Der Körper ist durch eine Schlinge nach EN 795 gesichert. Aber auf den Falldämpfer wurde verzichtet. Das Ergebnis: Der Körper wird mit einer Fangstoßkraft von 11,31 Kilonewton (kN) brutal gebremst. Das ist mehr als gefährlich. Bei 6 kN ist mit leichten, ab 8 kN mit schweren Verletzungen zu rechnen. »Bei 11,31 kN muss man von schwersten Folgen und irreversiblen Gesundheitsschäden ausgehen«, weiß Scheilen. Und das bei einer Fallhöhe von gerade mal einem halben Meter.


Je mehr man die Fallhöhe vergrößert, umso brisanter die Ergebnisse. Auch das zeigen die Filme: Ein 100 kg schwerer Torso stürzt zwei Meter und wird ohne Falldämpfer aufgefangen. Auf ihn wirken 12,70 kN. Bei vier Metern sind es schon 16,26 kN.Irgendwann wird es tödlich. »Das Schlimme ist, dass diese Tests genau das simulieren, was Fachleute immer wieder bei konkreten Anwendungen beobachten. Wer meint, ein Falldämpfer sei unnötig, sollte sich unbedingt unseren Film anschauen«, empfiehlt Scheilen.

Von wegen »Doppelt hält besser«

Dass der Volksmund bei Sicherheitsfragen lieber schweigen sollte, beweist ein anderer Falltest, bei dem zwei parallel angeordnete Verbindungsmittel mit jeweils eigenem Falldämpfer zum Einsatz kommen. Bei 100 kg Prüfgewicht und einer Fallhöhe von drei Metern wirkt eine gefährlich große Fangstoßkraft von 10,14 kN auf den Körper ein. Bei einem Y-Verbindungsmittel mit einem Falldämpfer halbiert sich dieser Wert nahezu auf 5,51 kN, wenn beide Stränge eingehängt sind. Auch dieser Versuch ist im Film festgehalten.

Der Dummy wurde geschrottet

Ebenso anschaulich wie abschreckend wurde eine weit verbreitete Schludrigkeit nachgestellt: Ein Monteur hängt den freien Strang eines Y-Verbindungsmittels nicht wie vorgeschrieben in eine Fixieröse, sondern in die seitliche Halteöse des Auffanggurtes. Die möglichen Folgen dieses groben Unfugs haben SpanSet und BG Bau an einem 85 kg schweren Dummy untersucht und ihn dabei gleich geschrottet. Zur Überraschung der Experten ist der Karabiner neun Zentimeter tief in den Rumpf eingedrungen, hat ihn regelrecht aufgeschlitzt. Neun Zentimeter. Das ist so, als würden sich zwei Drittel eines Kugelschreibers in den Körper bohren. »Das hat selbst Routiniers in Sachen PSA geschockt«, erinnert sich Scheilen, »vor allem weil uns bewusst ist, wie oft dieser Fehler tatsächlich gemacht wird.« Der Film zum Versuch hat die Beschädigung des Dummys eindrucksvoll festgehalten. Wer ihn gesehen hat, wird es sich künftig zweimal überlegen, ob er einen Karabiner an der falschen Stelle anschlägt.

Filme auf YouTube verfügbar

»Die PSAgA trägt man nur für den Fall eines Absturzes. Wenn es nicht dazu kommt, bleibt eine Fehlanwendung ohne Konsequenzen«, sagt Scheilen. Das sei für den konkreten Einzelfall natürlich ein Segen. Aber gleichermaßen auch ein Fluch. »Denn wer sich der Gefahr nicht bewusst ist und Ausrüstung falsch anwendet, der fordert sein Schicksal heraus.«

Die Filme von den Falltests hat SpanSet auf seinem YouTube-Kanal hochgeladen. Sie sind für Schulungszwecke geeignet und dürften dazu beitragen, dass es weniger Fahrlässigkeit im Umgang mit PSAgA gibt.   J

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